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Barometrie - Geschichte
Lucien
Vidie und die Erfindung des Aneroidbarometers
Gerhard Stöhr 2009.04 V01
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Gottfried-Wilhelm Leibniz
1646-1716 |
Nicolas Jacques Conté
1750-1805 |
Eugène Bourdon
1808-1880 |
Die Vorgeschichte dazu reicht zurück bis ins Ende des 17.Jh. Damals, so erfährt man von W.E.K. Middleton [Ref. 72], hatte schon Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) in diversen Briefen an Johann Bernouilli einen Ersatz für die torricellische Röhre gefordert. Er beschrieb ihn in Gestalt einer kleinen Dose, die vom Luftdruck verformt und dabei beqem in der Tasche mitgeführt werden könne. Damit hatte er als Erster eine klare Vorstellung davon, wie so ein Druckelemet aussehen müsste. Es blieb aber ein Wunschtraum.
Beinahe 100 Jahre später konkretisierte Nicolas Jaques Conté (1750-1805), der Besitzer einer Schule für Ballonfahrer, seine Vorstellung davon, mit der Zeichnung einer eiförmigen Vakuumkammer ohne Anzeigemechanismus. Auch dieser Vorschlag blieb in der Versuchsphase stecken. Bevor wir jetzt zu Lucien Vidie kommen, dürfen wir Eduard Schinz (1812-1855), einen jungen deutschen Eisenbahningenieur nicht vergessen, der noch vor Bourdon festgestellt hatte, dass ein Rohr mit elliptischem Querschnitt durch einen internen Druck verformt werden kann. Er ließ sich dies in Preussen für seine Manometer patentieren. Damit kam er eigentlich Eugène Bourdon zuvor. Es wird aber vermutet, dass beide unabhängig voneinander die gleiche Lösung gefunden hatten. Eugène Bourdon (1808-1884) ließ jedenfalls sein Manometer und die damit verwandten Instrumente, durch ein Patent vom 18.06.1849 in Paris schützen. Zu einer Zeit, da Vidie's Patentfrist noch längst nicht abgelaufen war.
Vidie wollte die Unterschiede in den beiden Konstruktionen nicht erkennen und ging davon aus, dass er mit seiner patentrechlich geschützten Vakuumdose gleichzeitig alle möglichne Varianten, die Form betreffend, mit erfasst habe. Er betrachtete diese Konkurrenz deshalb als einen ungeheuren Affront gegen seine Person und überzog seinen neuen Mitbewerber gleich mit einem Wettbewerbsprozess, der sich durch die ganzen 50iger-Jahre des 19.Jh. hindurchzog.
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Lucien Vidie |
Aber beginnen wir mit Lucien Vidie (1805-1866) von Anfang an. Dabei hilft mir ein Buch, das schon seit vielen Jahren in meiner Bibliothek steht, das ich auch schon wiederholt in der Hand hatte, aber wegen seinem alten Französisch und den verschachtelten Sätzen ungemein schwer zu lesen ist. Die Beschäftigung mit den Barometerwerken ließ mich jetzt, mit der Hilfe einiger befreundeter Übersetzer, einen neuerlichen Anlauf nehmen. Es ist die „Biographie von Lucien Vidie“, geschrieben von Auguste Laurant im Jahre 1867, also 1 Jahre nach seinem Tod. Authentischer geht es nicht mehr.
Geboren ist Lucien Vidie in Nantes im Jahre 1805, gestorben in Paris im Jahre 1866. Nach seiner Schulzeit wandte er sich zuerst der Juristerei zu, bis er dann mit etwa 25 Jahren seinen Hang zur Technik entdeckte. Die Dampfschiffe hatten es ihm angetan. Im Jahre 1834 kaufte er sich selbst ein solches Schiff und richtete eine Verbindung zwischen Nantes und Nort ein. Dabei blieb es aber nicht, es folgten weitere Schiffe und Verbindungen. Angetrieben wurden diese damals von einem Dampfmotor, wobei der Kesseldruck mit einem Quecksilber-Manometer kontrolliert wurde. Eine recht zerbrechliches Instrument, das für die Besitzer solcher Motoren eine ständige Quelle der Ärgernis war. Ein grundsätzliches Problem also, das in jener Zeit nicht nur für Frankreich spezifisch war. Nein - überall im neu technisierten Europa suchte man, wie wir wissen, gleichzeitig nach einer praktikablen Lösung dieses Problems.
Manometer sind den Barometern im Prinzip weitgehend ähnlich. Sie messen mit ihrem Druckelement, den vom Kessel von innen gegenüber der Atmosphäre aufgebauten Druck, während ein Barometer umgekehrt, die Auswirkung des Atmosphärendrucks auf eine luftleere Dose misst. Im Juli 1843 sandte Vidie erstmals seine Unterlagen zur Begutachtung an Mr. Pritchard nach London, einem ehemaligen Fabrikanten optischer Instrumente. Der zeigte sich interessiert und einen Monat später bestiegen beide mit einem solch quecksilberfreien Barometer und einem Hg-Barometer als Referenz, die St. Pauls Kathedrale. Das Ergebnis fiel positiv aus.
Lucien Vidie ließ sich daraufhin das Ergebnis seiner Arbeit am 19.04.1844, in London auf den Namen seines Patentanwaltes Me Lecomte de Fontainemoreau, schützen. Er scheute die Publicity in Frankreich. Ein Jahr später, am 10. April 1844 erhielt dieses Patent auch für Frankreich seine Gültigkeit. Es ist ein Importpatent, da das Basispatent ja aus England stammt. Die Laufzeit beträgt 15 Jahre. Die Wahl fiel deshalb auf Me Lecomte de Fontainemoreau, da dieser über ein Büro in Paris, als auch in London verfügte und deshalb mit der Sprache und den englischen Gepflogenheiten bestens vertraut war.
Da er selbst handwerklich nicht geschickt war, beauftragte Vidie einen jungen Uhrmacher, Monsieur Antoine Redier (1817-1892), die ersten 100 Barometerwerke zu fertigen. Mit der Ausführung war Vidie allerdings unzufrieden, sodass die Angelegenheit vor Gericht landete. Allerdings fand er dort wenig Verständnis für seine Reklamation. Das Gericht war in der Sache völlig überfordert. So wurde die Erfindung als nicht ausgereift bezeichnet, die Klage zurückgewiesen und Vidie blieb auf seinem Schaden von 5.000 Francs sitzen.
Es half nichts, er musste die Fertigung selbst in die Hand nehmen und mietete dazu einen >Zwischenstock in einem Haus gegenüber des Boulevards Bonne-Nouvelle<. Das war zu einer Zeit da Vidie’s Finanzen bedrohlich gegen Null tendierten. Er hatte aber Glück und fand auf einem Morgenspaziergang einen Financier in Gestalt eines alten Freundes aus begütertem Hause. Also waren die Finanzen gesichert, die Produktion konnte beginnen. Allerdings war es damit alleine nicht getan, die Barometer mussten an den Mann gebracht werden. In Frankreich jedenfalls, war die Nachfrage sehr gering. So packte er im Jahre 1847 drei seiner Instrumente ein und reiste nach London. Die Optiker und Uhrmacher schienen dort als Zwischenhändler recht gut geeignet. Auf Rat von Me de Fontainemoreau besuchte er deshalb auch Mr. Edward John DENT (1790-1853), einen honorigen Fachmann, der in seinem Geschäft Uhren, Chronometer und wissenschaftliche Instrumente verkaufte. DENT betrachtet das Instrument lange und gründlich, um schließlich zu dem Urteil zu kommen, dass, wenn es gut funktioniere, es seinem Erfinder alle Ehre machen würde.
Vidie konnte ihn dazu überreden, die drei mitgebrachten Barometer in Komission zu nehmen und gleich in seinem Schaufenster auszustellen. Es dauerte auch nicht lange, bis der erste Kunde den Laden betrat. Er kam von der Admiralität der königlichen Marine, die längst auf ein solches Barometer gewartet hatte. Er kaufte die drei Instrumente und bestellte 10 Tage später weitere 30 Stück. Eine Erfolgsgeschichte hatte begonnen. Binnen kurzem konnte er in England 5.000 Barometer absetzen, während es in Frankreich nur einmal 100 Exemplare waren. So hätte es ruhig weitergehen können. Da meldete im Juli 1849 Eugene Bourdon sein eigenes Manometer und Barometer zum Patent an. Vidie war schockiert! Das durfte es doch nicht geben, hatte er nicht die Druckmessung mittels Röhre oder Dose für sich patentieren lassen und hatte er nicht auch einmal Jura studiert? Es begannen für ihn höchst unruhige Zeiten.
Im September 1849 verglich das Observatorium in Greenwich einen Vidie-Aneroid mit einem Quecksilber-Barometer über 10 Monate hinweg und fand keine nennenswerte Abweichungen in der Messgenauigkeit. Das wirkte sich natürlich positiv auf die Verkaufszahlen aus.
Am 1. Mai 1851 eröffnete die erste Weltausstellung in London ihre Pforten. Dazu wurde eigens von Joseph Paxton ein prachtvolles Ausstellungspalais gebaut, das „Crystal Palace“. Da durfte man als erfolgreicher Erfinder nicht fehlen. Alles was international Rang und Namen hatte, war dort mit einem Stand vertreten. So auch Lucien Vidie vertreten durch E.J. DENT und natürlich auch Eugène Bourdon. Beide erhielten für ihre Leistungen von der Messejury eine >Council Medaille< verliehen, die zukünftig Bourdon's Zifferblatt zieren sollte. Das ärgerte Vidie mächtig. Er betrachtete E. Bourdon mittlerweile als seinen ganz persönlichen Gegner und strengte gleich danach den ersten Wettbewerbsprozess gegen ihn an.
Am 19.03.1852 fand die 1. Verhandlung statt und Vidie verlor. Er legte jedoch Einspruch ein und scheiterte am 25.07.1852 zum 2. Mal. Die Klage wurde abgewiesen, Vidie wurde zu 500 Francs Schadenersatz und Unterlassung verurteilt. Dieses Urteil wurde vom obersten Gerichtshof am 07.01.1853 nochmals bestätigt, eine Berufung abgelehnt. In seinem Urteil ging das Strafgericht davon aus, dass beide sich mit der gleichen Materie befasst hatten, aber zu unterschiedlichen und deshalb auch unterschiedlich patentierbaren Ergebnissen gelangt seien.
Im Jahre 1853 verstarb E.J. DENT, Vidie’s Repräsentant in England. Von Banfield (Ref.97) ist auch nicht zu erfahren, ob die Firma einen Nachfolger fand.
Aber Vidie ließ nicht locker und reichte am 26.01.1858 eine neuerliche Klage auf Schadenersatz, diesmal beim Zivilgericht ein. Die dritte Zivilkammer gab ihm dieses Mal recht und verurteilte Bourdon am 14.08.1858 zu 25.000 Francs Schadenersatz. Durch verschiedenen Petitionen erreichte E. Bourdon jedoch schließlich eine Minderung der Strafsumme auf 10.000 Francs. Schlussendlich verwarf der Oberste Gerichtshof am 09.07.1861 die Berufung von Monsieur Bourdon endgültig und bestätigte die Urteile, die Lucien Vidie definitiv zum Erfinder der Aneroid- bzw. der Metallbarometer erklärten. Somit widerfuhr M. Vidie’s Ehre, nach zehn Jahren zähen Ringens, schließlich doch noch späte Genugtuung. Er war in diesem Punkt rehabilitiert.
Aber seine Patente waren seit 1859 ausgelaufen, die Gerichts- und Anwaltskosten hatten ein tiefes Loch in der Firmenkasse hinterlassen und die ewigen Streitereien in der Presse zu einer zweifelhaften Publizität geführt. Als dann nach Abauf des Patentschutzes, auch noch einige seiner Arbeiter, die Selbständigkeit anstrebten und dadurch zu neuen Konkurrenten wurden, war Vidie ein enttäuschter und verbitterter Mann.
Vidie's Idee und der Vertrag mit Breguet
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| Louis-Clément Breguet 1804-1883 |
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| Abraham-Louis Breguet 1747-1823 |
In Paris gab es eine Uhrenmanufaktur in der 3. Generation, mit allerhöchster Reputation. Es war das „Maison Breguet“, eine Luxusuhrenfabrik, gegründet im Jahre 1775 von Abraham-Louis Breguet (1747-1823). Es war der Beginn einer beispiellosen Karriere. A.L. Breguet wurde zum größten Uhrmacher aller Zeiten. Seine Erfindungen füllen Bände. Kaiser und Könige stellten sich gerne an, um schließlich nach längerer Wartezeit, in den Besitz einer Uhr aus seiner Werkstatt zu kommen.
In der Uhrmacherei erinnern noch heute viele Bauelemente an seinen Geist. Die Breguet-Spirale (1795), das Tourbillon (um1800), die Stoßsicherung, die Breguet-Zeiger, um nur einige zu nennen.
Sein Trimetall-Thermometer, als Nebenprodukt der Arbeiten zur Spiralfeder (1793-98), ist auch uns FaW-Freunden noch heute ein Begriff.
A.L. Breguet ging in den europäischen Kaiser- und Königshäusern ein und aus und wurde mit allen Ehren ausgezeichnet, die die Wissenschaften und der Berufsstand in der damaligen Zeit zu vergeben hatte. Er verstarb im Jahre 1823 und dessen Sohn Antoine-Louis Breguet (1776-1863) trat in die Nachfolge ein. Er hatte jedoch nicht das Format seines Vaters. Die nächsten 10 Jahre waren daher wenig erfolgreich. Gerade noch rechtzeitig erfolgte da die Übergabe des Unternehmens vom Vater auf den Sohn Louis-Clément Breguet (1804-1883), Physiker und Uhrmacher. Der rettete die renommierte Firma des Großvaters in letzter Sekunde vor dem Ruin.
Louis-Clément Breguet war auf vielen Geschäftsfeldern erfolgreich, hatte dabei ein Faible für die neu aufkeimende Elektrotechnik und baute die erste elektrische Uhr. Ab den 40er-Jahren des 19.Jh. wandte er sich verstärkt der Telegraphie und Telephonie zu, wurde 1843 in das „Board of Longitude“ berufen und später auch dort Mitglied (1862). Außerdem wurde er von der Ehrenlegion ausgezeichnet und war Mitglied der franz. Akademie der Wissenschaften.
Nach Vidie’s Vorstellung, also genau der richtige Partner zur Weiterführung seines Lebenswerks. Obwohl er ihn persönlich nicht kannte, nahm er sich ein Herz und schrieb ihn am 02.12.1862, frei übersetzt, folgendermaßen an:
Nach der Information zu den Aneroidbarometern die ich Ihnen habe zukommen lassen, werden Sie nicht erstaunt sein, dass ich Ihnen heute den positiven Vorschlag mache, diese Instrumente selbst herzustellen. Ich wollte nach Ablauf meiner beider Patente eigentlich gänzlich auf die Fertigung verzichten und hätte meine Erfindung gerne unter anderen Bedingungen veröffentlicht. Werde Ihnen bei Gelegenheit jedoch gerne erläutern, warum ich es doch anders gemacht habe.
Natürlich kann meine Erfindung in keine besseren Hände gelangen, als in die ihrigen. Sie haben nicht nur die physikalischen Kenntnisse, sondern auch die Fähigkeiten eine solche Produktion zu übernehmen. Das könnte sogar zu neuen Entwicklungen führen, welche die Wissenschaft von ihrem Hause erwartet. Mit dem Namen Breguet geben Sie außerdem dem Käufer die Sicherheit ein gutes Produkt zu erwerben.
Hier, - das was ich Ihnen dazu anbieten kann:
Ich übergebe Ihnen die Rechte an dem Begriff „Anéroide“, der für die
Öffentlichkeit gleichbedeutend für den Namen des Erfinders steht. Ich übergebe
Ihnen auch meine letzten Patente. Sie sind nicht besonders wertvoll, haben aber
dennoch ihre Nützlichkeit. Ich habe bemerkt, dass die Herstellung meiner Instrumente
eine lange Erfahrung und hohe Genauigkeit der Arbeiter verlangt. Meine neuesten
Erfindungen erleichtern die Herstellung und erhöhen die Empfindlichkeit und
Präzision.
Außerdem haben Sie drei Monate Zeit, um mir zu sagen, ob Sie eine Fabrik in England bauen wollen. Dann übergebe ich Ihnen die Rechte dazu. Diese Fabrik müsste in 6 Monaten die Instrumente zu den gleichen Bedingungen liefern, wie in Frankreich.
Sollten Sie dies nicht akzeptieren können, behalte ich mir das ausschließliche Recht vor, in Frankreich, gemäß meinen Patenten, Barometer für den englischen Markt zu bauen. In diesem Fall erhalten Sie 5% des Gewinns.
Sollten Ihnen diese Bedingungen genehm sein, so werden wir über die Einzelheiten sprechen. Ich werde Ihnen jedenfalls meine Räumlichkeiten, die Anlagen und Werkzeuge für die gesamte benötigte Zeit überlassen.
Hochachtungsvoll…...
In der Folge dieses Schreibens wird von Maitre PÈAN, Notar aus Paris, am 31.12.1862 folgender Vertrag ausgefertigt, der die wichtigsten Punkte für diejenigen enthält, die es interessiert:
Patente und Material
Lucien. Vidie schenkt Herrn Breguet:
1. Das Exklusivrecht, ab dem 01.01.1863 in Frankreich aneroide Barometer
herzustellen, auch gemäß dem Patent vom 18.08.1858.
( M. Breguet hat das 12. Patent vom 12.03.1862 abgelehnt).
2. Hinzu kommen das gesamte Mobiliar, Werkzeuge, auch Spezialwerkzeuge, das Material, die fertigen und die noch im Bau befindlichen Instrumente, die am Herstellungsort sind.
Kaufmännische Bestimmung
Da der Name des Erfinders nie im Handel benutzt wurde, scheint es unnötig M.
Breguet zu erlauben, ihn zu gebrauchen. Aber das Wort „Anéroide“,
das originär gebraucht wurde um die Erfindung zu bezeichnen und die Rechte daraus,
gehen voll und ganz auf M. Breguet über, jedoch ohne Garantie.
Englische Barometer
Der Vertrag erneuert das Angebot an M. Breguet in England eine Fabrik
zu errichten und bietet in diesem Fall gratis die englischen Patente an. Die
drei Monate verstrichen jedoch, ohne eine entsprechende Anfrage beim Notar und
L. Vidie behielt das Recht, in Frankreich auf eigene Rechnung und nach seinen
Patenten, Barometer mit englischer Beschriftung und der Bezeichnung „Anéroide“
herzustellen. Natürlich abzüglich der vertraglich vereinbarten 5% Gewinnbeteiligung
für M. Breguet.
Zusätzliche Anmerkungen
Herr Breguet weist darauf hin, dass er nichts für diese Schenkung unternommen
hat. Vor dem Brief vom 02.12.1862 hatte er keinerlei Kontakt zu dem Erfinder.
Vidie erwähnt, dass er M. Breguet nur seinem Rufe nach kannte und dass
er in ihm die Person sah, die seine Erfindung weiterbringen konnte.
Ab
Januar 1863 stellte sich die Situation dann folgendermaßen dar. Vidie
selbst war, zumindest noch zu Lebzeiten, vertragsgemäß für den englischen Markt
zuständig und benützte dazu seine eigenen Werke nach Patentfortschritt. Also
ab 1858 seine Konstruktion mit dem Pin (bielle oblique), die auch Breguet
nutzen durfte.
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Das „Maison Breguet“ selbst hatte jetzt ein weiteres Standbein und fertigte ab sofort Barometer für den kontinentalen Markt. Der Vertrag erlaubte auf dem Zifferblatt die Bezeichnung „Baromètre Anéroide“ in der jeweiligen Landessprache, die Instrumentennummer wie bei Breguet üblich und eine Signatur bzw. das Logo „Breguet“. In der ersten Zeit wurden ganz gewiss noch Werke von Vidie und nach dessen Plänen verbaut, bis man schließlich nach einiger Zeit auf eigene Werkkonstruktionen zurückgreifen konnte.
Im Jahre 1870, trennte sich Louis-Clèment Breguet von dem Familienunternehmen und verkaufte den gesamten Betrieb an den langjährigen Werkstattleiter Edward Brown, in dessen Familie das „Maison Breguet, Paris - Quai d’horloge 39“, bis 1970 verblieb. Er selbst wandte sich der Telefontechnik und dem Flugzeugbau zu, bis er 1883 verstarb.
Es bleibt völlig unverständlich, warum uns bisher keinerlei Kataloge, sowohl von Vidie als auch Breguet überliefert wurden und dass selbst die Chronik des Hauses Breguet, die ja im Uhrenbereich geradezu vorbildlich ist, dieses Intermezzo völlig verschweigt. So werden wir wohl weiter auf eigene Recherchen angewiesen sein und wohl nie erfahren, in welchem Jahr die Firma Breguet sich wieder aus der Barometerfertigung zurückgezogen hat.
Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meinem Übersetzertrio M. Hrycak, Mme Matzke-Grente, Mme Müller-Dupin. Ohne ihre Mithilfe wäre dieser Bericht nicht möglich geworden. Zeitweise rauchten unsere Köpfe bedenklich. Auch Monsieur B. Maxant, dessen Buch schließlich der Auslöser dieser Arbeit war, darf nicht vergessen werden.
Als Quellen wurden benutzt: Ref. 72, 99, 106, 223
© Gerhard Stöhr 2009.04
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