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30.06.2004 (stoe) Herr Josef H. Schröer aus Bocholt,
ist Bäcker- und Konditormeister und sammelt seit vielen Jahren Turmuhren, Glocken und Turmbekrönungen. Alles nicht gerade kleine Objekte.
Als vor einigen Jahren die oberen Etagen seines Geschäftshauses frei wurden, konnte er sich den Traum eines ganz privaten Museums erfüllen. Aber am besten lesen Sie selbst.
Eben dieser Herr Schröer befindet sich momentan mitten in den Vorbereitungen zu einer
Sonderausstellung mit dem Titel: "Woher der Wind weht"
.
Das Thema beinhaltet die Windbeobachtung mittels Wind-, Wetterfahnen und Wetterhähnen. Hierzu werden ca. 60 historische Exemplare zu sehen sein.
Die Ausstellung soll am 10.10.2004 eröffnet werden.
Ein Termin auf den wir sicher nochmals hinweisen, den Sie sich aber schon mal dringend vormerken sollten!

27.06.2004

(stoe) Winkelbarometer sind relativ selten.....,
da sag ich Ihnen nichts Neues mehr. Zig-Zag-Barometer sind noch seltener und ein deutsches Zig-Zag-Barometer aus der Werkstatt von Ephraim Greiner-Stützerbach ist eine absolute Rarität.

Auf unserer Reise nach Thüringen, im Herbst vergangenen Jahres, hatte ich erstmals ein solches Original-Greiner-Barometer im Museum Stützerbach entdeckt. und Ihnen in der NEWS vom 09.11.03 vorgestellt. Ein Zweites ist in W. Habenichts Buch [Ref.80, p.105] verzeichnet und in Fachkreisen war zu vernehmen, dass noch ein Drittes irgendwo in England vorhanden wäre. Es war dort vor längerer Zeit mal bei einem Händler aufgetaucht, der es für einige Zeit in Komission hatte, sich aber nicht mehr an seinen Einlieferer erinnern konnte oder wollte. Deutsche Barometer sind in England nicht sonderlich gefragt. Nachforschungen bei unseren einschlägigen Händleradressen in England blieben allesamt erfolglos.

So war die Überraschung perfekt, als es dieser Tage als Top-Lot in einer Auktion auftauchte. Es wurde von E. Greiner in den Jahren 1877-84 für einen schwedischen Kunden gefertigt und trägt deshalb drei schwedische Hilfsskalen. Ich konnte es zu einem moderaten Preis nach Deutschland zurück holen. Es wird also in einigen Monaten als neue Attraktion unser FaW-Museum bereichern. Dann gibt es auch bessere Fotos. Der Tipp kam übrigens von dem Herrn, dem ich seinerzeit die Saggi-Erstausgabe vermittelt hatte (siehe 13.06.04). So hilft man sich eben gegenseitig!

23.06.2004

 

 

 

 

 

 

 



Aktuelle Liste,
- hier!

(stoe) "Vergangen, aber nicht vergessen",...
unter dieses Motto möchte ich unsere Initiative
"Thüringer Thermometerhersteller
" stellen. Dabei schwebt mir eine möglichst vollständige Aufstellung aller selbstständigen Betriebe, ab 1830 vor. Gewiss ein sehr hoher Anspruch, der ohne die aktive Mitarbeit der FaW-Freunde in der Region Thüringer Wald nicht gelingen kann.
1830 ist, wie Sie alle wissen, das Datum das den Beginn der Thermometer-Fertigung in Thüringen markiert. Damals hat Franz Ferdinand Greiner mit seinem Gesellen Wilhelm Berkes das erste Thermometer in Stützerbach vor der Lampe geblasen. Die Folgen sind ausreichend bekannt. Ausgehend von dem Greiner'schen Betrieb entstand in den nachfolgenden Jahren und Jahrzehnten eine blühende Industrie mit unzähligen Glasbetrieben.

Ich habe bereits die einschlägige Literatur studiert, einige Museen in der Region besucht und mir dabei akribisch alle Thermometeradressen notiert. Für ihre wertvolle Vorarbeit möchte ich deshalb an dieser Stelle folgenden Personen u. Institutionen danken: Hans J. Arnold, Waldemar Bussemer, Bodo Kühn, Dr. Karl Lindemeyer, Ernst Löber, Museum Gehlberg, Thermometermuseum Geraberg, Museum Stützerbach. Somit haben wir schon einmal einen kleinen Grundstock mit ca. 80 Betrieben in unserer Liste.

Nun benötige ich aber dringend Ihre Hilfe vor Ort
!
Nahezu ein jeder kennt ganz sicher einen Bekannten oder Verwandten, der in einem Thermometerbetrieb gearbeitet oder gar selbst einem solchen Betrieb bevorstand. Diese Firmenadressen gilt es für die Zukunft zu bewahren. Ergänzen Sie meine Liste damit und vermerken Sie bitte noch zusätzlich, was Sie sonst noch an Erinnerungen mit dieser Firma verbindet (wann gegründet, wieviele Mitarbeiter, wann erloschen, etc.).

Von Zeit zur Zeit sollten Sie mir dann das Ergebnis Ihrer persönlichen Recherchen per Brief, Fax oder Email übermitteln, damit ich unsere Liste fortschreiben kann. Immer die neueste Version der Liste findet sich hier, wenn Sie nebenan auf das Thermometer klicken. Sie lässt sich anschauen, aber auch bequem als Liste ausdrucken.
Nun bin ich mal gespannt, wieviele Firmen wir in den nächsten 12 Monaten neu registrieren dürfen und bedanke mich schon jetzt im Voraus für Ihr persönliches Engagement.


Und so können Sie uns erreichen; per Brief :" Freunde alter Wetterinstrumente", Haldenstr. 11, 88499 Riedlingen; per Fax: 07371-2718; per Email: info@freunde-alter-wetterinstrumente.de

20.06.2004 >172

(stoe) Herr Schmiegel hatte wieder mal Langeweile...
und immer dann setzt er sich an seinen Glasbläsertisch und stellt sich eine neue Aufgabe.

Letztes Mal (siehe NEWS vom 29.05.2003) fertigte er ein "verkürztes Radbarometer" nach Amontons (1/3 Länge), diesmal entstand ein gleich langes "verkürztes Kontrabarometer". K
ontrabarometer müssen, was die Abstände der Gefäße (Rohrlängen) anbelangt, der jeweiligen Gebrauchshöhe angepasst werden, damit bei Ihnen zu Hause an der Wand, das Quecksilber schön in der Mitte der Gefäße "spielen" kann

Beim normalen "Kontra nach Huygens" (engl. double barometer) entspricht dieser Abstand, der Länge einer Quecksilbersäule, gemessen bei "mittleren Luftdruck". Das Gewicht der Anzeigeflüssigkeit ist dabei vernachlässigbar.

Beim Amontons-System ist das leider nicht so einfach
, da das Gewicht der Trennflüssigkeit zwischen den Hg-Teilsäulen deutlich in die Rechnung mit eingeht und von Fall zu Fall nur schwer zu kalkulieren ist. Somit hängt die Qualität der Arbeit weitgehend von der Erfahrung des Barometermachers ab. Beachten Sie die exakte Ausführung!


16.06.2004 (stoe) Leicht abzulenken...
Ich hatte mir an Sylvester eigentlich fest vorgenommen, die Historie der Thermometrie im 18.Jh. zügig weiter zu bearbeiten. Bei dem Vorsatz ist es allerdings bisher geblieben, denn ich lasse mich immer wieder leicht durch andere Themen ablenken. Und deren gibt es viele.
Zuletzt die Sache mit Antoine Redier. Dazu mußte ich mich intensiv mit den frühen Aneroidwerken auseinander setzen und daraus ist nun eine respektable "Geschichte zur Entwicklung der Aneroid-Barometerwerke im 19.Jh." geworden.
Ich habe die Arbeit am Wochenende für Sie eingestellt
. Hiermit möchte ich wieder einmal Ihren Blick auf das mechanische Innenleben unserer "Schätzchen" lenken. Wie man sieht, gibt es für den fortgeschrittenen Sammler auch da noch eine ganze Menge zu entdecken. Die Thermometrie muß deshalb noch etwas warten. Sie ist ja auch eher ein Thema für neblige Herbst- und Wintertage.

13.06.2004 (stoe) Auktionsschaufenster....
Lorenzo Magalotti's, "I Saggi di naturali esperienze....", ist momentan bei Christies gleich zweimal im Angebot. Einmal in Rom, am 17.06.04 - Sale 2452, Lot 238, die Ausgabe von 1691, mit einem Estimate von 1.000,- bis 1.500 Euro. Dann in Paris, am 25.06.04 - Sale 5084, Lot 3, die Erstausgabe 1667, mit einem Estimate von 12.000,- bis 18.000,- Euro.
Beachtlich, beachtlich! Es dürfte interessant werden.
Letztere wurde mir Anfang der 80iger-Jahre mal für unter 1.000,- DEM angeboten. Ich hatte aber damals nach einer "Barometertour" in England das Geld nicht mehr und habe sie deshalb an einen Freund vermittelt. So kann's gehen!
>> zu Christies-Lotfinder!


Lot 238/ Sale2452 wurde für 1.984,- EUR +MwSt verkauft!
Lot 3/ Sale 5084 wurde nicht verkauft!

09.06.2004 >161

(stoe) Klein aber fein......
Am Freitag, den 04.06.2004 wurde der letzte Bauabschnitt beendet und in einer Feierstunde ein kleines, europaweit einzigartiges Museum seiner Bestimmung übergeben. Es ist das Thermometermuseum in Geraberg-Thüringen. In zentraler Lage Deutschlands, steht es in Mitten einer geschichtsträchtigen Region, wo im 19.Jh. praktisch in jedem zweiten Haus fleißige Hände diese zerbrechlichen Wärmemesser herstellten. Aber das ist mittlerweile Historie.
Die Menschen dort erinnern sich jedoch noch gerne an jene Zeit, denn die Glasindustrie hatte Sie seinerzeit aus der Hoffnungslosigkeit in eine Phase der Vollbeschäftigung und des Wohlstandes geführt. Man könnte heute wieder ein vergleichbares Produkt gebrauchen.
Es ist außerordentlich bemerkenswert, was dort innerhalb 2 Jahren durch das Engagement Einzelner, gepaart mit viel Gemeinschaftsinn entstanden ist. Aus einem abbruchreifen, alten Schulgebäude, wurde eine strahlende Heimstatt der Thermometrie. Dort lässt sich das kulturelle und technische Erbe der Vorfahren hervorragend für die nächsten Generationen bewahren, deren Hinterlassenschaften präsentieren und gleichzeitig ein Archiv aufbauen, das zukünftig als Gedächtnis dienen kann. Der Ausbau der 2. Etage und des Dachgeschosses hat nun auch den Raum für Vorträge, Seminare und Ausstellungen geschaffen. Man darf also gespannt sein.

Groß war dann auch die Zahl der Gratulanten. Vertreter von Bund, Land und Gemeinden, sowie der Rektor der benachbarten Hochschule gaben sich die Ehre.
Am Ende seiner Legislaturperiode konnte so, Herr Bürgermeister Heinz Hertwig seiner Gemeinde noch eine Einrichtung mit überregionaler Bedeutung übergeben, die einen weiten Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft schlagen wird. Die Geraberger können stolz darauf sein!


Herr Schmiegel und meine Person, überbrachten in einem Grußwort die Glückwünsche der "Freunde alter Wetterinstrumente"
. Gleichzeitig habe ich mich von meinem spiralförmigen "Florentiner Thermometer" getrennt und dieses Replikat dem Museum geschenkt. Die Überraschung war gelungen, die Museumsleitung begeistert und die Presse hatte einen Aufmacher.
Darüber hinaus wird meine Firma auch die Kosten für die Reproduktion eines "Leupold'schen Thermoscopiums" übernehmen.
Es wird zu gegebener Zeit darüber zu berichten sein.

Der Kontakt ist jedenfalls hergestellt. Eine gegenseitige Befruchtung in der Zukunft nicht ausgeschlossen. So könnten wir dem Museum anlässlich von Sonderausstellungen gelegentlich mit Exponaten aushelfen und das Museum dafür umgekehrt, uns mit seinen Verbindungen bei der Informationsbeschaffung nützlich sein. Auch wäre es denkbar, dass sich die FaW-Freunde dort einmal im Jahr zu einem Seminar treffen. Man wird wohl nichts dagegen haben, wenn wir dann auch über Barometer und Hygrometer reden!

Bitte schicken Sie mir doch eine kurze Nachricht, wie Sie über diese Idee denken und ob ich sie weiter verfolgen soll!


Ideale Räumlichkeiten sind vorhanden, es gilt sie jetzt mit Leben zu erfüllen. Eine ganz neue und bestimmt nicht weniger interessante Aufgabe für die Museumsleitung. Frau Carmen Rux und Herrn Dr. Ing. Klaus Irrgang wird es daher auch in der Zukunft an Arbeit nicht mangeln. Bleibt zu hoffen, dass die Unterstützung der Gemeinde Geraberg und der Idealismus der beiden Initiatoren dem Museum weiterhin erhalten bleiben. >> Thermometermuseum


05.06.2004

(stoe) Ein früher Dent....
vor ca. 20 Jahren hatte ich mir von einer Reise nach England ein Dent-Deskbarometer mitgebracht. Es wurde mir dort von einem Händler angeboten nachdem wir schon einige Quecksilberbarometer erworben hatten und nachfolgend bei Tee, Gebäck und Fachgesprächen saßen. Plötzlich hatte er es in der Hand. Ein solches Instrument, signiert, nummeriert und im originalen Eichenholzkästchen, lässt man sich natürlich nicht entgehen.
Es war mein erstes Aneroidbarometer in der Sammlung. Während ich allen meinen Neuzugängen sogleich zu Leibe rücke, hatte ich es bisher nicht geöffnet. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass mir ausgerechnet hier vielleicht ein Mißgeschick passiert. Man weiß ja nie.
Nun bin ich momentan mit der Geschichte der Aneroidbarometer beschäftigt und komme dabei ganz zwangsläufig wieder mit den frühen Vidie-Werken in Berührung. Diesmal war die Neugierde größer. Ich habe ganz vorsichtig den Glasrand entfernt und das Zifferblatt angehoben. Wie erwartet, kam ein authentisches Werk mit externer Schraubenfeder aus den 50er-Jahren des 19.Jh. zum Vorschein. Aber sehen Sie selbst.

02.06.2004 >154

(stoe) Redier - Hygrometer entdeckt....

Auf meinem virtuellen Pfingstausflug ins INSTITUTO GEOGRAFICO NATIONAL, in Madrid, musste ich feststellen, dass die Museumsseiten dort völlig neu gestaltet und die Fotos durch Bessere ersetzt wurden.
Es ist es jetzt möglich die Instrumente auch vergrößert darzustellen. Dann erkennt man auch den Hersteller.

Dieses hier ist ein "Psychrometer nach Lowe", aus der Werkstatt von Antoine Redier - Paris, um 1880, trägt die Inventarnr. 718 und befindet sich im Observatorio Astronomico in Madrid.



30.05.2004 >151

 

(stoe) Ist es nun ein Barometer oder ist es ein Höhenmesser?
Dieses Zifferblatt an einem Breguet-Aneroiden sorgte in den vergangenen Tagen für hitzigst geführte Diskussionen . Für ein Barometer ungewohnt ist das Fehlen der "Wetterbezeichnungen", auch ein "Merkzeiger" sucht man vergeblich. Es ist also gewiß kein Instrument alleine für das häusliche Wohnzimmer oder das Flanieren im Kurpark.
Für ein Barometer spricht die Skala auf dem Zifferblatt, die in absoluten Luftdruckwerten [cmQs] geteilt ist.
Die Teilung selbst lässt dabei ein Ablesen auf den Millimeter genau zu. Der Skalenbereich beginnt bei 80cmQs und endet bei 40cmQs, dadurch ergibt sich ein Einsatzbereich bis in Höhen von etwa 5.000m.
Für einen Höhenmesser könnte , auf den ersten Blick, die Angabe der "mittleren Höhe" neben den zugehörigen Druckwerten sprechen.
Schaut man jedoch genauer hin, so stellt man fest, dass diese Höhenwerte für sich völlig alleine stehen. Es sind "Höhenmarken", die keine Skala mit einer metrischen Unterteilung verbindet. Daher können natürlich auch keine Zwischenwerte abgelesen werden. Als Höhenmesser ist dieses Instrument deshalb völlig untauglich!

Ich meine, es ist ein Barometer für den professionellen Einsatz, mit erweitertem Messbereich bis in Höhen von 5.000m. Mit solchen Barometern untersuchten Meteorologen oder Geologen, im Gebirge oder bei Ballonaufstiegen, die Luftdruckverhältnisse der Luftschichten in der unteren Atmosphäre. Die "Zusatzinformation der mittl. Höhe" auf dem Zifferblatt, könnte dem Beobachter zur groben Höhenorientierung gedient haben. Für die exakte Höhenbestimmung jedenfalls, mußte ein separater Höhenmesser mitgeführt werden. Geeignet wäre es aber auch für eine techn. Anwendung in einer Vakuumkammer, z.B. als Referenz zur Überprüfung von Höhenmessern.

26.05.2004 (stoe) Nochmals Youngtimer....
Jetzt habe ich doch rascher als ursprünglich geplant in unserem Museum ein extra Tabellenfeld für die Youngtimer eingefügt.
Einige Traditions-Sammler meinten nämlich, dass so moderne Barometer bei ihren schönen, alten Stücken nichts zu suchen hätten.
Na, na, - um ein bisschen mehr Toleranz darf ich doch schon bitten, meine Damen und Herren!
Wir haben also ab sofort ein Youngtimerfeld und das ist vielleicht gut so, denn da kommen jetzt alle die Instrumente hinein die zwar sammelwürdig, aber noch nicht so richtig "reif" sind. Hier haben sie Zeit dazu, bis sie dann in einigen Jahren, so es uns dann noch gibt, auch von den traditionsbewussten Sammlern anerkannt werden. Die haben dann allerdings den Einstieg verpasst!
Dabei bin ich gewissermaßen der Türsteher, der darauf achtet, was für Instrumente da hinein dürfen. Bei Leibe nicht alle.
Ich lege Wert auf eine "ordentliche Technik", sprich: Werk, oder eine zeittypische Erscheinung. Ab etwa Mitte der 80iger-Jahre wird das Werk sicher zum Problem, das weiß ich . Nur noch ganz wenige Hersteller konnten es sich danach noch leisten, hier gehobene Ansprüche zu stellen, denn der Kunde sah's ja nicht. Das Einzige was zählte wurde der Preis.
Ich kenne aber meine Pappenheimer, denn viele dieser Instrumente hatte ich persönlich in der Hand und es gab ja nur noch wenige Fabrikate. Wenn der Hersteller drauf steht, weiß ich was drin ist.
Elektronik muß draußen bleiben - das ist klar!

23.05.2004 (stoe) Die Fifties.....
Dieser Tage haben mich einige Fotos von Kordelbarometern aus den 50er-Jahren erreicht. Sie sind ganz typisch für die Nierentischära, deshalb habe ich ihnen auch eine ganze Zeile gewidmet. Dem Sammler gebührt ein kräftiges Dankeschön.
An dieser Stelle abermals mein Apell an Sie, uns doch ruhig auch Bilder von jüngeren Barometern zu senden. Unser Sammelgebiet ist sehr weit gefächert und besteht bei Leibe nicht nur aus Barometern der Zeit vor 1930. Auch später, bis hinein in die 70er-Jahre, gab es noch recht interessante und sammelwürdige Instrumente. So lange die Qualität stimmt, werde ich immer einen Platz im Museum frei machen. Bei Bedarf eröffnen wir eben einfach ein extra Feld für diese Youngtimer.
Bitte trauen Sie sich also!

20.05.2004 >141

(stoe) Ich bin kein echter Flohmarktgänger.....
denn erstens stehe ich nicht gerne in aller Hergottsfrühe auf und zweitens habe ich in den letzten Jahren hierbei meine Zeit allzuoft vergeblich investiert.
Nun findet in meiner Heimatstadt seit 32 Jahren, jeweils im Mai, einer der größten Flohmärkte Süddeutschlands statt. Quasi vor der Haustür. So bin ich auch dieses Jahr wieder, zur Mittagszeit, ohne große Erwartungen durch die Standreihen geschlendert. Während meine Augen die diversen Auslagen abtasteten, stieg plötzlich mein Adrenalinspiegel an. Da lag doch tatsächlich in einer Vitrine ein "baromètre anéroide" von Breguet. Einfach so beim Trödler - unglaublich!

Den Namen A.L. Breguet habe ich Ihnen schon einmal in Verbindung mit seinem Trimetallthermometer vorgestellt. Damals handelte es allerdings um Abraham Louis Breguet (1747-1823) den Begründer der Manufaktur. Hier haben wir es mit der 3. Generation, Clément Louis Breguet (1804-1883) dem Neffen des Gründers zu tun.
Barometer mit Breguet-Manufakturwerken mußten natürlich den hohen Ansprüchen eines Pariser Edeluhrmachers genügen, dementsprechend teuer waren sie in der Anschaffung und umso rarer sind sie heute. Der Rest war dann Verhandlungssache. Mehr, auch techn. Details gibt's im Museum!
Wenn Sie auch einmal so eine schier unglaubliche Geschichte erlebt haben, dann räume ich Ihnen gerne auf meiner NEWS-Seite genügend Raum für einen kurzen Bericht ein.

15.05.2004 (stoe) Es gibt sie noch, die kleinen alltäglichen Entdeckungen....
Es war reiner Zufall, dass ich vor einigen Tagen "redier" und "barometre" in die Google-Suchmaschine eingab. Um so erstaunter war ich, als Google tatsächlich fündig wurde und mir die Onlineliste eines französischen Antiquariats präsentierte.
Hier gab es doch tatsächlich eine kleine Broschüre von Antoine Redier aus dem Jahre 1875, die bis heute noch in keinem Quellen- oder Bibliotheksverzeichnis erwähnt wurde: A. Redier, Le baromètre son histoire ses constructions diverses ses usages.
Es gab für mich darin einiges Interessantes zu erfahren. So zum Beispiel das Firmenzeichen (ARED), das wir so lange nicht zuordnen konnten, aber auch noch Mehr. Es wird noch eine gewichtige Rolle in meiner Arbeit zur Geschichte der Aneroide spielen, die ich momentan vorbereite. Lassen Sie sich überraschen. >> pdf-Datei!

08.05.2004 >129

(stoe) Interessantes "Objekt des Monats"....
Pater Dr. Kraml hatte wieder einmal ein Herz für uns "Freunde alter Wetterinstrumente", als er sein Objekt für den Monat Mai 2004 auswählte.
Eine wirklich ausgesuchte museale Rarität ist dieses "Lambert'sche Darmsaitenhygrometer", aus der bekannten Augsburger Werkstatt des Georg Friedrich Brander. Hochinteressant auch das Originalanschreiben des Meisters an seinen "guten Kunden". Das angesprochene Büchlein: J.H. Lambert - Hygrometrie, Augsburg 1774, befindet sich in meiner Bibliothek, woraus ich Ihnen den passenden Kupferstich präsentieren kann. Hier schon mit der späteren 360o-Teilung.
Ein ganz dickes Dankeschön dafür nach Kremsmünster in Österreich. Wir sind weiter gespannt und empfehlen unseren Freunden einen Besuch vor Ort! >> nach Kremsmünster!

05.05.2004 >126

 

(stoe) RÄTSEL GELÖST !
Generationen vom Sammlern fragten sich, um was für ein Firmenlogo es sich denn da wohl handelt? Man findet es immer an ganz besonders qualitätvollen Barometern, nicht selten in Verbindung mit einer Uhr und meistens mit eindeutig französischem Ursprung.

Nun ist der Fall gelöst. Wir konnten die verschlungenen Initialen enträtseln. Sie bedeuten ARED und stehen für die Firma von Antoine Redier (1817-1892).
Gegründet hat er sie im Jahre 1842. Er war Ritter der Ehrenlegion, zu seiner Zeit ein renommierter Uhrmacher und fertigte neben seinen Uhren auch Präzisionsinstrumente, Barometer, Barographen, barometrische Pendulen, Thermometer und große Barometer für öffentliche Einrichtungen.
Von B. Maxant erfahren wir, dass sein Betrieb nach seinem Tod ins Straucheln geriet und 1905 durch die Firma Léon Maxant übernommen wurde!
Wir werden noch mehr von ihm hören, das verspreche ich Ihnen!

01.05.2004 (stoe) WEATHERSTAR NR. 7-9
Ich wurde von einem Freund schon darauf angesprochen, ob denn unsere "Aktion Weatherstar" eingeschlafen wäre. Dem ist nicht so. Ich benötige aber zum Aufsuchen dieser Objekte im Worldwideweb etwas Ruhe und Muße und daran hapert es manchmal. Dafür gibt es dieses Mal wieder gleich drei herrliche Objekte aus dem Ressort "Quecksilberbarometer". Dazu entführe ich Sie mit einem Link auf die Homepage von Mr. Carlton-Smith, Antikhändler aus London.

Hier finden wir auf einer Seite gleich drei fantastische Objekte. Einen "Upside-down", der George Adams (?) zugeschrieben wird, einen Pfeilerbarometer (Pillarbarometer) von Daniel Quare und einen Winkelbarometer (Diagonalbarometer) von Charles Orme of Ashby de la Zouch. Alle drei Instrumente sind also aus "Bestem Hause". Dabei sind sowohl der Pfeilerbarometer, wie auch das Diagonalbarometer jeweils zwei ganz typische Produkte ihres Herstellers.

Weatherstar Nr. 7
. Daniel Quare (1649-1724) ein für seine überdurchschnittliche Qualität weit über England hinaus bekannter Uhrmacher, hatte sich schon vor 1700, als einer der Ersten, zusätzlich der Fertigung der Barometer zugewandt. Seine frühen, einzigartigen Pfeilerbarometer, die es als Version zum Stellen und zum Hängen gab, waren damals in ganz Europa bekannt und wurden auch schon recht früh exportiert. Sie gehören heute mit zum Teuersten, was dem Barometersammler begegnen kann. Sie wurden in späteren Jahrzehnten aber auch gerne und oft kopiert.

Weatherstar Nr. 8
. Charles Orme of Ashby de la Zouch (1688-1747 ) ist nicht weniger bekannt. Aufmerksame Besucher unserer Seiten, ist der Name auch schon wiederholt begenet, denn er gehört zu meinen persönlichen Favoriten. Mit seinen Diagonalbarometern (diagonalbarometers) hat er im18.Jh. sich für immer einen Namen in der Barometerwelt geschaffen. Er fertigte drei verschiedene Ausführungen davon. Einmal eines mit einem einzelnen Quecksilberrohr (wie hier abgebildet!), dann mit zwei Rohren (double tube), es wurde neulich eines in Ebay zu 15.000,00 US$ versteigert und sein Meisterstück, ein verkürztes Diagonalbarometer mit 3 Rohren (triple tube). Davon haben wir ein Replikat von Mr. Collins in der NEWS vom 29.08.2003 vorgestellt.

Weatherstar Nr. 9. Ein ganz exzellentes Radbarometer, in der seltenen Ausführung mit dem Zifferblatt oben (upside down), dazu noch mit quadratischem Blatt und besonders qualitätvoller, schwerer Ausführung, sign. Adams - London. Der Fachmann erkennt die Qualität sofort, wenn er schon verschiedene, solcher Barometer in der Hand gehalten hat und z.B. einen unmittelbaren Vergleich mit dem Instrument in unserem virtuellen Museum zieht. Letzteres ist deutlich einfacher, auch zeitlich später und natürlich auch insgesamt eine preiswertere Ausführung. Nun ja, - Upside-down's sind so rar, dass man sie sich in den seltensten Fällen aussuchen kann. Man muß froh sein, wenn man überhaupt eines findet.
Hier ist allerdings die Zuordnung nicht ganz so einfach, denn "die Adams in London" sind im 18.Jh. über mehrere Generationen hinweg eine fashionable Instrumentenmacher-Dynastie gewesen, von der wir sicher noch öfters hören werden. Georg Adams sen. (1704-1772) legte Mitte der 30er-Jahre den Grundstein für das Unternehmen. Er fertigte u.a. auch Mikroskope, Globen, optische, mathematische und physikalische Instrumente und fand damit allerhöchste Anerkennung. Er kommt für dieses Barometer ganz gewiss nicht in Frage. Nach seinem Tod ging der Betrieb in die Hände seines Sohnes Georg Adams jun. (1750-1795) über, der den Betrieb im Alter von 22 Jahren übernahm und gemeinsam mit seiner Mutter, ganz im Sinne seines Vaters weiterführte. Ich meine, er kommt hier auch nicht in Frage. Es könnte aber von dessen jüngerem Bruder Dudley Adams (1762-1826) stammen, der 1893 eine eigene Werkstatt eröffnete und nach dem Tod seines Bruders das Unternehmen an der Familienadresse weiterführte.
Das würde auch erklären, warum die Initiale des Vornamens fehlt. Man müsste, meines Erachtens, deshalb das Instrument auch etwas später, so um die Jahrhundertwende (1800) herum, einordnen [Ref. 66, 97].
Zu Weatherstar 7-9
. Klicken Sie auf das Barometer der HP und wählen Sie den Link ".. Archiv of sold Barometer
s", - hier die zweite Reihe!
25.04.2004 (stoe) Erfreuliche Nachrichten aus Geraberg/ Thüringen....
Dieser Tage erreichte mich eine Information aus dem Thermometermuseum, wonach sich der 2. Bauabschnitt langsam seinem Ende zuneigt. Er betrifft die Baumaßnahmen der Räume im Obergeschoß, wo in Zukunft Vorträge, Seminare und Ausstellungen stattfinden sollen. Fördergelder in Verbindung mit viel Eigenleistung der Mitglieder, ermöglichen dort trotz allseits verordneter Sparmaßnahmen, eine fristgemäße Fertigstellung.
Die offizielle Eröffnung ist am Freitag, den 04. Juni 2004. Danach kann das einzige Museum dieser Art in Deutschland und möglicherweise sogar in ganz Europa (?), bestimmungsgemäß voll genutzt werden.
Die Freunde alter Wetterinstrumente freuen sich schon jetzt mit den Gerabergern und hoffen, dass uns an diesem traditionsreichen Ort, inmitten Deutschlands, zukünftig interessante Veranstaltungen erwarten.
Wir halten Sie auf dem Laufenden!

21.04.2004 >112

(stoe) Breguet-Metallthermometer in der Dorotheum-Auktion...
Die Auktion in Wien, vom Montag den 19.04.2004, enthielt für den Thermometer-Sammler ein ganz besonderes Highlight. Mit LOT 13 wurde ein Metallthermometer nach dem Breguet-System aufgerufen. Gefertigt wurde es lt. Katalogbeschreibung in der 2.Hälfte des 19.Jh. von W.J. Hauck in Wien.

Breguet's Thermometer sind unter allen Metallthermometern die empfindlichsten, schreibt Dr. J. Müller im Jahre 1858 [Ref. 36/B, p.493ff]:
Meint er nun die Messgenauigkeit oder die Handhabung? Ich denke in erster Linie an die Handhabung. Breguet-Thermometer bestehen ursprünglich aus einem 1-2mm breiten Metallband, welches spiralförmig aufgewunden ist. Am Galgen oben, ist die Spirale am Ende einer Messingschraube befestigt, von der aus sie frei herunterhängen kann. An ihrem unteren Ende trägt sie einen horizontalen, sehr leichten Zeiger, der auf dem Zifferblatt einen 360-Gradbogen beschreiben kann. Der Messingsockel ruht auf drei Füßen und das Zifferblatt selbst ist durchbrochen, damit von unten Luft hinein zirkulieren kann. Eine Glasglocke dient als Staubschutz. Insgesamt eine außerordentlich erschütterungsempfindliche Einrichtung.

Für das Spiralband nahm Breguet seinerzeit drei Metallstreifen aus Silber, Gold und Platin und verdichtete diese durch Walzen auf ein Dicke von nur noch 0,6mm (!). Die Silber- und Platinschicht verschweißt sich dabei unlöslich mit der mittleren Goldschicht. Es entsteht ein Trimetall-System. Da sich jetzt die äußere Silber- und innere Platinschicht bei Wärme ungleich ausdehnen, krümmt sich die Spirale einwärts und überträgt ihre Längenänderung auf Zeiger und Anzeige.

Abraham Louis Breguet (1747-1823) gilt als einer der begnadetsten Uhrmacher aller Zeiten. Geboren in der Schweiz, verbrachte er den größten Teil seiner Lebens in Paris. Seine unzähligen Erfindungen und Verbesserungsvorschläge füllen Bände. Aus seiner Werkstatt gingen die besten Uhrmacher des nachfolgenden Jahrhunderts hervor. Eine Breguet-Uhr galt damals, wie auch noch heute, als das Mass aller Dinge. So war es ganz selbstverständlich, dass seine Produkte an allen europäischen Höfen hoch geschätzt wurden.

Um den Einfluß der Wärme auf die Ganggenauigkeit seiner Uhren zu kompensieren, beschäftigte sich Breguet auch mit der Ausdehnung von Metallen und entwickelte in der Folge, im Jahre 1817, sein "Thermomètre Breguet", ein Trimetallthermometer. Er verstarb 1823 hoch geehrt im Alter von 77 Jahren.

Das Thermometer war im Katalog mit einem Estimate von 600-800 EURO veranschlagt und wurde dann für 1.700 EURO + 22% Aufgeld zugeschlagen!

17.04.2004 >108

(stoe) Kunststoffe - die Frühzeit bis 1950 und was wir Sammler darüber wissen sollten.....
Bis Ende des 19.Jh. wurden die Erzeugnisse ausschließlich aus "Naturstoffen" gefertigt. Lediglich Gummi und Celluloid waren die Ausnahme und wurden damals schon als "abgewandelte Naturstoffe" industriell verarbeitet. Um die Jahrhundertwende gelang dann schließlich der Organischen Chemie der eigentliche Durchbruch zu den "synthetischen Kunststoffen".

Zunächst noch halbsynthetisch, wurde von den beiden Österreichern A. Spitteler und W. Kirsche 1897 das Casein-Formaldehyd entwickelt, bekannter unter den Handelsnamen Galalith®. Es ist ein Kunsthorn auf der Basis des Milcheiweißes. Ab etwa 1901wurde es industriell vertrieben. Farblich gibt es für dieses Material kaum Grenzen. So waren transparente wie auch leuchtende und klare Farben möglich, dabei lässt es sich hochglänzend polieren. Es war dann auch die Schmuckindustrie, die sich gleich auf dieses Material stürzte. Gefertigt wurden u.a. daraus Schnallen, Knöpfe, Griffe und Schmuck. Aber auch für Schalen und Gehäuse z.B. für Schreibgeräte wurde es, wenn es auf Farbigkeit ankam, vereinzelt benützt. Es ist wasserempfindlich!

Der erste vollsynthetische Kunststoff wurde durch L.H. Baekeland im Jahre 1907 entwickelt. Das Phenolharz (Phenoplast), ein duroplaster Kunststoff, begann als Bakelit® industriell seinen Siegeszug. Es wurde und wird heute noch in Pressen verarbeitet z.B. zu Gegenständen des täglichen Bedarfs, wie Bechern, Schalen, Schaltern und Elektrogehäusen. Aber besonders in den USA und England wurden in den 20er und 30er-Jahren daraus auch Barometergehäuse gefertigt. Dabei ist es sehr leicht an seiner dunkelbraunen bis schwarzen Farbe zu erkennen. Auch rotbraunes Bakelit® ist bekannt. Es kommt auch als Laminat vor. So ist es als Pertinax® jedem Elektronikbastler bekannt. Helle und freundliche Farben findet man jedoch vergebens. Ende der 30er-Jahre hatte man sich an den dunkelbraunen Bakelitprodukten endgültig satt gesehen.

Ein Bakelit-Derivat ist das Catalin®, das nach dem Ablauf von Baekeland's Patent im Jahre 1928 dafür sorgen sollte, dass die Welt der Phenolharze etwas bunter wurde. Catalin® konnte nicht gepresst werden, es wurde gegossen, dabei war es nicht ganz so fest wie das Ursprungsprodukt und musste abschließend durch Schleifen und Polieren aufwändig behandelt werden. Vereinzelt findet man es an Instrumenten aus den USA. Farblich brachte es ein Vielzahl streifig milchiger, auch durchscheinender Farbtöne hervor.

Man suchte aber dringend nach einem helleren Kunststoff und fand ihn schließlich in den Aminoplasten. Hier mit den Melaminharzen, - besser bekannt als Melamin®. Dieser duroplaste Kunststoff machte Ende der 30er- Jahre Schluss mit der Tristesse. Erstmals war es nun möglich auch helle und farbige Erzeugnisse zu fertigen. Melaminfarben sind dabei immer etwas blass. Melamin® ist ein guter Isolator, lichtecht, bruchfest, geruchlos und geschmackfrei, dabei chemisch beständig. Das Granulat wird durch Pressen verformt. So werden daraus Geschirre und andere Haushaltsgegenstände jeglicher Art und Farbe, selbst weiße Steckdosen und Telefongehäuse. Es lässt sich auch gut laminieren. So sind uns die seit nach dem 2. Weltkrieg angebotenen beschichteten Spanplatten unter den Markennamen Resopal® oder Formica® bestens bekannt, veränderten sie doch mit ihren vielfältigen Farben und Dekormustern die gesamte Möbelindustrie und damit Heim und Haus.

In den 20er-Jahren schon, begann Hermann Staudinger mit seinen Forschungen zur Polymerchemie. Hierfür erhielt er dann im Jahre 1953 bekanntermaßen den Nobelpreis. Die IG-Farben in Ludwigsburg produzierte als Folge im Jahre 1930 erstmals das Polystyrol® . Es ist ein thermoplaster, durch Polymerisation entstandener Kunststoff, der sich ganz hervorragend im Spritzgußverfahren verarbeiten lässt. Dies war die Geburtsstunde des Massenkunststoffs. Polystyrol® kann sowohl glasklar, und wird dann gerne mit Acrylglas verwechselt, aber auch in allen Farben hergestellt werden. Es ist beständig gegen Wasser, schwache Säuren und Laugen, nicht aber gegen Äther, Azeton und Benzin. Es kann aber auch durch ein bestimmtes Verfahren verschäumt werden und ist uns allen so als Styropur® bekannt.

Fassen wir also zusammen: Halten sie einen hellfarbenen Kunststoff aus der 1. Hälfte des 20. Jh. in der Hand, so kann es eigentlich nur Galalith, Melamin oder Polystyrol sein. Wird er durch Aceton angelöst, so handelt es sich um Polystyrol. Wenn nicht und ist er in der Farbe blass, so ist es Melamin. Als farbig, buntes Kleinteil weist alles auf Galalith hin!

14.04.2004 (stoe) Aufmerksam machen möchte ich alle unsere Freunde in den Niederlanden und den Grenzgebieten auf eine Antiquitätenbörse in den Brabanthallen in 's-Hertogenbosch, vom 17-25. April 2004.

Wie aus dem Ausstellerverzeichnis ersichtlich, sind auch dort wieder die Barometer auf einigen Ständen traditionell gut vertreten. Dabei wird diese Verkaufsausstellung, wie wir es in den Niederlanden schon gewohnt sind, wieder durch eine eigene Website professionell unterstützt.
Ich habe mich gleich auf die Suche gemacht, um Vergleichbares in Deutschland zu finden, - leider Fehlanzeige!

09.04.2004 (stoe) Digitalisierte Firmenkataloge im Internet...
Nicht nur die Freunde alter Wetterinstrumente haben von Anfang an ihre Aufmerksamkeit den alten Katalogen zugewandt. Auch das renommierte Smithsonian Institut, eine amerikanische Stiftung aus dem Jahre 1846, verfügt über eine beachtliche Katalogsammlung von derzeit über 270 Trade-Catalogs, von denen mittlerweile 172 digitalisiert sind. Natürlich sind nicht nur Kataloge von meteorolog. Instrumenten darunter, aber davon doch immerhin ca. 45 Exemplare.

Ein Katalog der Fa. Ephraim Greiner-Stützerbach aus dem Gründungsjahr 1868 sticht uns natürlich besonders ins Auge. Ich habe mich deshalb gleich dorthin gewandt und es wurde mir zugesichert, dass dieser Katalog für uns bevorzugt eingescannt wird. Wir dürfen also gespannt sein.
Nutzen Sie die Gelegenheit und machen Sie per Tastenklick gleich mal einen virtuellen Osterausflug ins Smithsonian Institute nach Washington.
>> Smithsonian-Meteokataloge

+++WIR WÜNSCHEN IHNEN FROHE OSTERFEIERTAGE+++

04.04.2004 (stoe) Könnte das Quecksilber in unseren Barometern durch Galinstan® ersetzt werden?

Vergleichen wir zuerst die Eigenschaften der beiden Stoffe:

Erstarrungsp. Siedepunkt Dichte Farbe
Quecksilber (Hg) -39oC 360oC 13,55 silbrig glänzend
Galinstan® -19,3oC > 2000oC 6,4 silberfarben

Es fällt uns gleich auf, dass beide Stoffe bei Raumtemperatur flüssig und dass die Dichte von Galinstan® dabei nur halb so groß ist wie die von Quecksilber. Selbstverständlich könnte man also damit ein Barometerohr füllen, wenn es denn genügend lang wäre. Ein "Galinstan-Barometer" würde dabei etwa doppelt so lang ausfallen wie ein übliches Hg-Gefäßbarometer.

Theoretisch wäre ein Ersatz also möglich, aber wie sieht es in der Praxis aus?

Das Element Quecksilber ist ein silbern glänzendes Metall und verfügt über eine hohe Oberflächenspannung, was für die Praxis bedeutet, dass die Kapillarwand zur Anzeige nicht benetzt wird. Da zudem das Korrosionsverhalten von Hg in reinem Zustand nur wenig ausgeprägt ist, bleibt die Röhre über eine längere Zeit weitgehend sauber. Erst mit den Jahren setzt Oxydation ein.
Im Gegensatz dazu bedeckt sich die eutektische Legierung Galinstan® unter Einfluss von Luftsauerstoff, lt. Aussage von Herrn Heribert Schmitt dem Erfinder des Galinstans®, sofort mit einer dicken Korrosionsschicht ähnlich einer "Milchhaut". Das führt dazu, dass die Wände der Kapillare sofort grau verschmieren, eine Anzeige wird dadurch unmöglich.
Galinstan® kann deshalb nur industriell und hier ausschließlich im Hochvakuum verarbeitet werden. Deshalb wird es derzeit einzig als Ersatzstoff in Thermometern (Fieberthermometer) verwendet, wo diese produktions-technischen Voraussetzungen von Anfang bis Ende durchgängig eingehalten werden können.
Galinstan® ist deshalb für Barometer ungeeignet!

02.04.2004 14.00 Uhr (stoe) Der Spuk hat leider immer noch kein Ende....
Unsere Rechner und unser Server sind definitiv virenfrei. Die Virenpost stammt also garantiert nicht von uns. Es sieht momentan so aus, als wenn das Virus in einem uns unbekannten, fremden Rechner, sich der dort gespeicherten Email-Adressen bedient und wir leider dazu gehören. Wir bitten deshalb nochmals um Nachsicht.
Sorgen Sie bitte dafür, dass Ihr Virenschutz aktuell ist!

31.03.2004 12.00 Uhr (stoe) Böse Buben haben sich möglicherweise unseres Mailservers bedient, um Virenpost zu versenden. Dies ist extrem ärgerlich. Sollten Sie auch zu den Adressaten gehört haben, so bedauern wird das außerordentlich, bitten jedoch um Nachsicht.

Herr Heling, unser Webmaster, hat diese Möglichkeit zwischenzeitlich unterbunden.

27.03.2004 (stoe) Gebr. Bergmann - Thermometerfabrik - Mellenbach/Thüringen...
Unsere Katalog-Sammlung hat dieser Tage wieder Nachschub bekommen. Es wurde mir ein Katalog der Firma Gebr. Bergmann angeboten, zu dem ich trotz des stolzen Preises den er hatte, nicht "nein" sagen konnte. Er ist leider nicht datiert. Auf Grund eines versteckten Hinweises des Lithographs im Innern des Katalogs, dürfte jedoch das Jahr 1902 als gesichert gelten.

Das sehr aufwändige Druckwerk ist mit 24 einseitig lithographierten Farbtafeln ausgestaltet, einem äußerst aufwändigen und zugleich teuren Steindruckverfahren. So mussten für diesen Katalog alle Instrumente der Produktion seitenverkehrt auf den Farbträger gezeichnet werden. Für die Farbwiedergabe kamen dann zusätzlich nochmals einige Platten pro Seite hinzu. So ein Farbkatalog war deshalb für den Auftraggeber ein äußerst teures Unterfangen und für die kleineren Unternehmen damals ein finanzieller Kraftakt. Es fällt hier auch auf, dass die Instrumente relativ eng angeordnet sind, so ließen sich die Druckkosten senken (vergleiche hierzu: Alt, Eberhart & Jäger von 1915). Deshalb musste so ein Katalog dann auch für einige Jahre halten. Aber was tut man nicht alles für die Repräsentation.

Wir dürfen in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen, dass farbige Abbildungen in Büchern, heute eine Selbstverständlichkeit, sogar noch bis in die 60er und 70er-Jahre des 20.Jh. zur seltenen Ausnahme gehörten.

Mittlerweile konnte ich mit Hilfe von Frau K. Kiesewetter in Erfahrung bringen, dass die Firma Bergmann im Jahre 1889 gegründet wurde. Mehr ist leider nicht bekannt. Schauen Sie bei dieser Gelegenheit mal wieder rein in unsere Katalogsammlung, sie kann sich mittlerweile wirklich sehen lassen.
>> Literatur/ Firmenkataloge

23.03.2004 (stoe) Dorotheum - Wien - Auktion, am 19.04.2004 um 16.00 Uhr
Ich erfahre soeben aus Wien, dass die nächste Auktion "Historischer wissenschaftlicher Instrumente und Globen" im April stattfindet.

20.03.2004>080

 

 

(stoe) Galinstan® - bzw. Not macht erfinderisch...
Dieser etwas flapsige Spruch wird dem Ernst der Lage dereinst kaum gerecht. Trotzdem könnte man die Entwicklungsarbeit der Jahre 1991-92 in den Labors der Firma Geratherm in Geraberg/ Thüringen, auf der Suche nach einem geeigneten Ersatzstoff für das zunehmend geächtete Quecksilber, so beschreiben.

Einst mit über 2.000 Mitarbeiten ein bedeutender Thermometerhersteller in Europa und ganz sicher einer der Vorzeigebetriebe der ehem. DDR, wurde die Firma gleich dreimal gebeutelt. Einmal sorgte in den 80er-Jahren die zunehmende Verbreitung elektronischer Temperatur-Messsyteme für dramatische Auftragsrückgänge. Zweitens hing das bevorstehende Verbot von Quecksilber in Europa wie ein Damoklesschwert über der gesamten Branche. Gab es für die meisten Thermometer noch die Möglichkeit auf andere Flüssigkeiten auszuweichen, so war Quecksilber als Anzeigeflüssigkeit für Fieberthermometer bis dato unersetzlich. Fieberthermometer waren jedoch ausgerechnet auch einer der Produktionsschwerpunkte der Geraberger Thermometermacher. Dann kam die Wende im Jahre 1989, und damit drittens der Verlust der Ostmärkte hinzu. Der raue Wind der Marktwirtschaft wehte den Gerabergern über Nacht direkt ins Gesicht. Wer in dieser Situation nicht in der Lage war sich selbst zu behaupten, brauchte rasch einen starken Partner. Diese meist westlichen Geldgeber standen jedoch nicht Schlange. Zudem hatten sie Ansprüche, denn sie waren natürlich in erster Linie nur an Betrieben mit Perspektive interessiert. Eine ganz schön ausweglose Lage.

Wohl dem der in einer solchen Situation über genügend Eigeninitiative und innovative Mitarbeiter verfügt
. Oder war es der bloße Selbsterhaltungstrieb der die Crew um Laborleiter Ing. Heribert Schmitt antrieb? Jedenfalls begab sich das Geratherm-Laborteam für Wochen und Monate in Klausur und suchte zielbewusst und fieberhaft nach einer neuen Rezeptur, die das toxische Quecksilber in ihren Fieberthermometern ersetzen konnte. Die Lichter gingen in jener Zeit auch nachts nicht aus.
Nach hunderten vergeblichen Versuchen, kam man schließlich auf die Elemente Gallium (Ga), Indium (In) und Zinn (Sn) und mixte sie zusammen.

Wieso ausgerechnet diese drei Stoffe, bleibt wohl das Geheimnis von Heribert Schmitt. Alle drei sind üblicherweise bei Raumtemperatur fest, in der neuen Legierung aber plötzlich flüssig, mit einem Erstarrungspunkt bei - 19,3oC. Mit einer Dichte von 6,4 g/cm3 ist Galinstan® nur halb so schwer wie Quecksilber, dabei absolut quecksilberfrei, ungefährlich und umweltfreundlich. Es grenzt für den Laien an Zauberei und trotzdem wurde "Galinstan®" zu dem Stoff, der die Firma Geratherm aus ihrer vermeintlich ausweglosen Lage herausführte. Ein modernes Märchen?

Ein Märchen sicher nicht, denn mittlerweile hat sich 1993 ein Schweizer Investor gefunden, der das geschäftliche Potential, dass in dieser neuen Legierung steckt erkannt hat und es heute auf vielfältigen Geschäftsfeldern auswertet, denn die Möglichkeiten die in Galinstan® stecken scheinen noch längst nicht ausgereizt. Der Hersteller firmiert heute als "Geratherm Medical AG".

Ob "Galinstan®" auch als Ersatzstoff für unsere Quecksilberbarometer geeignet ist, erfahren Sie demnächst!

14.03.2004 >074

(stoe) Metall-Extremthermometer von Hermann & Pfister...
Über die Firma Hermann & Pfister habe ich schon im Frühjahr 2003 in Bern recherchiert (siehe hierzu meine NEWS v. 25.05.2003). Hiernach firmierte dieser Schweizer Hersteller meteorologischer Instrumente bis ins Jahr 1881 als Firma "Hermann & Pfister", danach 10 Jahre lang als "J.H. Pfister" und benannte sich schließlich 1891/92 abermals um, in "Pfister & Streit".
Insbesonderen dem Minima-Maxima-Bimetallthermometer aus deren Werkstatt begegnen wir Thermometerfreunde des Öfteren . Sei es in den Werbebroschüren und Wettersäulen der Fa. Lambrecht-Göttingen, als z.B. auch im Katalog von Höllein & Reinhardt aus dem Jahre 1899, also zu einer Zeit, da die Firma "Hermann & Pfister" längst "Pfister und Streit" hieß.

Professor H. Hartl spricht noch 1903, in seiner "Einführung in die Wetterkunde", 2. Auflage, die von W. Lambrecht verlegt wurde, dort auf Seite 8, eindeutig vom "Metallthermometer von Hermann & Pfister". Das verwundert. Denn in der ersten Auflage von 1899 ist von "Pfister & Streit" die Rede. Offensichtlich gab es Einsprüche. So ist wohl anzunehmen, dass dieses Instrument über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgreich verkauft und bereits vor 1880, nämlich von Hermann & Pfister entwickelt wurde.

Beachten Sie dazu meine Fotos im Anhang und die Funktionsbeschreibung von Prof. H. Hartl aus dem Jahre 1903.

10.03.2004 (stoe) Lambrecht's Thermohygroskop
Der Erwerb eines solchen Instrumentes bewirkte, dass ich mich dieser Tage mit der Funktionsweise dieses seltenen Feuchtemessgerätes einmal ausführlicher befasst habe.
Die Firma Lambrecht hat das "Thermohygroskop" in den 80er-Jahren des 19.Jh. zur Serienreife entwickelt und später zusammen mit einem modifizierten Aneroidbarometer als sog. "Wettertelegraph" vermarktet.
Das Instrument ist in der Lage, die Änderung der "absoluten Luftfeuchtigkeit" tendenziell anzuzeigen. Quantitative Messungen sind allerdings damit nicht möglich. Es hat sich auch nicht durchgesetzt.
Siehe hierzu auch meine NEWS vom 10.01.2004. Klar, dass mich das Innenleben interessiert hat. Wer aber eine aufwändige Feinmechanik erwartet hat, wird eher enttäuscht sein.
Lesen Sie hierzu meinen neuen Artikel in Hygrometrie/ Technik

06.03.2004 >066

(stoe) Paris - der Flohmarkt...
Zum Abschluss meiner Reise hatte ich mir für den Samstagnachmittag ein Besuch auf dem Pariser Flohmarkt vorgenommen. Dazu hatte ich mir extra etwas "Spielgeld" eingesteckt. Auch hatte ich einige Aufträge im Gepäck und sollte bei dieser Gelegenheit nach dem einen oder anderen Barometer schauen, der sich in Ebay rar macht.
Also ab in die Metro in Richtung Port de Clignancourt. Es fiel auf, dass viele meiner Mitreisenden einen Rucksack trugen und dabei den unruhigen Blick des leidenschaftlichen Sammlers hatten. Dazwischen mischten sich elegante Paare in feinem Tuch und ebensolchem Schuhwerk. Dann auch ganz viele junge Eltern, die ihren Nachwuchs im Tragegeschirr mitführten und den Nachmittag wohl eher zur Unterhaltung nutzen wollten. Von Station zu Station füllte sich die U-Bahn mehr und mehr, um dann kurz vor der Überfüllung nahezu ihren gesamten Inhalt an der Station P.de C. auszuspucken.
Am Tageslicht angekommen präsentierte sich der nördl. Pariser Stadtteil St. Ouen mit etwa 10 angenehmen Celsiusgraden, dabei war die Sonne leicht durch Hochnebel verdeckt, also geradezu ideale Bedingungen für einen Flohmarktbummel im Februar.
Ich machte mich also gleich auf den Weg durch die Standreihen, wo Tageshändler ihre Waren anboten, bis ich nach einigen 100 Metern, ob der vielen Leder, T-Shirt und Wäschestände erkennen musste, dass deren Angebot sicher nicht für mich gedacht war.
Also orientierte ich mich mehr nach links, hinein in die Strassen mit schmalen garagenartigen Läden und aufgelassenen Industrieetablissements, die man zu Antikmärkten umfunktioniert hat. Verwinkelte Straßenzüge mit einem unglaublichen Angebot an Möbeln, Spiegeln, Lampen und sonstigem dekorativem Interieur- und Wohnbedarf erwarteten mich. Dazwischen Druckgrafik, Nautisches und Uhren. Ein wahres Eldorado für jeden Dekorateur und Inneneinrichter. Viel 19. Jahrhundert, aber auch jede Menge qualitätvolles ART DECO. Ich habe mich nicht nach den Preisen erkundigt, denke aber, dass die noblen Dinge fraglos ihren Preis haben. Egal - aber wo hat man sonst noch so ein Wahnsinnsangebot?
Wo waren nun aber die meteorologischen Instrumente? Es gab jede Menge frz. Quecksilberbarometer im Stile des Louis XVI, also die mit den prunkvoll vergoldeten Rahmen. Nahezu in jedem Interieurgeschäft, waren sie ab etwa 3.500.- EURO zu haben. In wieweit sie alle echt oder auch Replikate darunter waren, vermag ich allerdings nicht zu sagen. Aneroid-Barometer gab es nur vereinzelt zu den üblichen Preisen, so wie sie auch mittlerweile in Ebay gang und gäbe sind. Aber es war nichts dabei, was mein Pulsfrequenz wirklich erhöht hätte.
So schlenderte ich Stunde um Stunde durch die Geschäfte und meine Beine wurden schwerer und immer schwerer. Im Marché Biron wurde es dann nochmals interessant, denn in der St.Ouen Allée 1, hat Mr. Arnaud Catel sein Geschäft. Er und sein Sohn beschäftigen sich dort nahezu ausschließlich mit dem Einrichtungsstil des Empire und Ludwigs XVI. Möbel, Spiegel, Lampen, Bilder und eben solche Quecksilber-Barometer in großer Auswahl füllen sein Geschäft (siehe Foto). Sie waren mir durch das Internet (www.catel.fr) bereits bekannt und so machte ich bei dieser Gelegenheit dort einen kleinen Besuch. Die Beiden konnten mir aber auch keinen Spezialisten für Aneroid-Barometer auf dem Markt nennen und nachdem wir uns einig waren, dass ganz dringend ein Fotoband über die "Französischen Barometer" fehlt, setzte ich meinen Weg, dieses Mal in Richtung U-Bahnstation und Hotel fort.

Na, da hatte ich aber Glück, oder sollte man es Pech nennen? Nahezu den ganzen Flohmarkt abgegrast und noch keinen Euro ausgegeben.


Es war mittlerweile 16.30 Uhr geworden und für 19.30 Uhr war das Abendprogramm angesagt. Da wäre ja vielleicht noch eine kleine Ruhepause drin? Also gleich Abschied nehmen oder noch einen kurzen Blick in die nächste Strasse?
Die nächsten beiden Läden waren mit Möbel angefüllt, dann kam ein Laden mit Seglerkram, Schiffsmodellen und Bildern, viel Messing. Lass mal schauen - und was ist denn das da, links hinten an der Wand? Das kann es doch nicht wirklich geben? Da hing doch tatsächlich ein Extrem-Metallthermometer von Hermann & Pfister aus dem letzten Quartal des 19.Jh., nach dem ich schon seit vielen Jahren suche.
War wohl wieder nichts mit dem Sparen. Mein Spielgeld reichte gerade so und beschwingt setzte ich meinen Rückzug ins Hotel fort. Dabei musste ich feststellen, dass meine Beine kaum noch schmerzten. Paris ist eben immer eine Reise wert!

02.03.2004

 

 

 

 

 

 

 

 

(stoe) Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen diese tolle Ausstellung in Leiden selbst zu besuchen...
Aber es kam mir leider etwas dazwischen. Solche Sonderschauen sind einmalig und werden nicht so schnell wieder gezeigt. Also wieder einmal eine vertane Gelegenheit - eigentlich schade.
So habe ich mich in meiner Not an Herrn Marco Fontijn gewandt und Ihn gebeten für uns doch wenigstens noch einen Rundgang zu machen bevor die Pforten schließen. Er ist Antiquitätenhändler und Barometer-Spezialist, also der richtige Mann für diese Aufgabe. Es kommt hinzu, dass er "gleich um die Ecke" wohnt und lebt. Gleichwohl hatte er die Ausstellung bis dato auch noch nicht besucht. So passte am vergangenen Sonntag eben alles zusammen. Er gelangte noch in den Genuss der Ausstellung und wir zu seinem Bericht. Für diese "Korrespondenten-Tätigkeit" möchte ich mich an dieser Stelle bei Herrn Fontijn ganz herzlich für die FaW bedanken.

Übrigens, es ist ja noch nicht zu spät. Die Ausstellung schließt erst am nächsten Sonntag, den 07.März 2004! Hier nun der Original-Bericht:

Dear Mr. Stöhr

Thank you for giving direction to my sunday. I must admit that I had not yet visited the "Uit de lucht gegrepen" exhibition in Museum Boerhaave, but today was a good opportunity to do so after your reminder.
 
I visited the museum two times before in the past and I didn't expect to see many "new" objects that I had not seen before during my earlier visits. However, this assumption appeared to be wrong and I think that you've reason to regret the fact that you were not able to visit the exhibition as well.
 
Lots of rare and early barometers, thermometers, hygrometers, anemometers and other weather-related objects, that are usually hidden away in the storerooms, were on display now and were a real asset to the regular collection. The instruments, primarily of Dutch origin, but also good and interesting French, English and German pieces, were in some cases truly astonishing. I agree with Knowles Middleton that the collection of Museum Boerhaave is probably the liveliest of the history of science museums in the world, certainly now that I've seen the collection in its full glory. Although I was less impressed by the quality of the barometers on display. All the barometers were in bad to very bad condition and some even seemed to be heavily tampered with. Besides the Fahrenheit barometer - similar to the one that I sold a year ago and unknown to me before - no barometer is really worth mentioning in my opinion. I consider the almost 3 meters wide Dutch angle barometer to be a mere folly, lacking logic and quality.
 
The section with antique thermometers appealed most to me. Especially the breathtaking piece made by Hendrik Prins with eighteen (!) different temperature scales. I was also intrigued by the early Dutch and French hygrometers on display and the eighteenth century Dutch books on the subject.
 
I was not allowed to take pictures, but managed to take a few anyway. Unfortunately they are not very good, due to the bad light conditions in the museum and the fact that I didn't feel free to take them. They don't do justice to the exhibition at all. I recommend you to visit the museum when you are in the Netherlands, as well as Teylers Museum in Haarlem, although I'm afraid that the number of weather-related instruments on display will than be relatively limited.
 
With kind regards,
 
Marco Fontijn
 

Fontijn Antiek
http://www.fontijnantiek.com


29.02.2004 >060

(stoe) Paris - Teil 2
Ich habe es ja schon angekündigt. Während der erste Tag meines Parisbesuchs dem "alten Blech" galt, machte ich mich am Samstag auf die Suche nach "alten meteorologischen Instrumenten". Hierzu gibt es in Paris eine erste Adresse in der rue Reaumur, Nr. 60. Der Name der Strasse klingt schon sehr viel versprechend und so war es dann auch.
Hier residiert in den ehrwürdigen Mauern des einstigen Klosters St.-Martin-des-Champs, das CNAM, das ist das "Conservatoire national des Arts et Métiers". Gegründet im Jahr 1794 von Abt Henry Grégoire beherbergt es eine einzigartige Sammlung von über 80.000 Objekten aus allen Bereichen der Wissenschaft und den Handwerkskünsten. Die Räumlichkeiten wurden vor wenigen Jahren gänzlich neu renoviert und die Präsentationen nach modernsten Museumsgesichtspunkten neu ausgerichtet. Es ist daher heute ein Vergnügen durch die weitläufige und großzügige Anlage zu schlendern.

Eröffnet wurde wieder im Jahre 2000, mit einer großartigen Ausstellung in Kooperation mit METEO-FRANCE, der frz. Wetterbehörde.
"Mesurer l'Atmosphère"
war der Titel der Sonderschau, die sich sehr publikumsfreundlich und dank modernster Medientechnik auch heute noch im Internet zweisprachig betrachten lässt. Mein Weg führte mich deshalb schnurstracks in die 2. Etage, wo die "Instruments scientifiques" untergebracht sind.

Klar, die überwiegende Mehrzahl der damaligen Ausstellungsstücke sind wieder in den Depots zurück. So musste ich mich mit einer Vitrine begnügen, in der nur die Highlights der damaligen Ausstellung zu sehen waren. Aber man durfte ohne Blitzlicht fotografieren, sodass ich Ihnen mit meinen Fotos einen kleinen Eindruck vermitteln kann. Wer mehr und bessere Fotos sehen möchte, sei auf das Buch zur Ausstellung verwiesen (siehe meine NEWS vom 20.+ 27.07.2002!).

Sehr interessant für mich war dann noch in der Abteilung für Zeitmessung, eine "Uhr mit barometrischem Antrieb" mit Hilfe eines Bourdon'schen Systems. Also quasi aus dem Jahre 1885 das Gegenstück zur "Atmos-Uhr", die ja bekanntlich durch Temperaturschwankungen aufgezogen wird (siehe Bild 6). Hatte ich bisher noch nie davon gehört - ein Prachtstück - ganz einfach toll!


23.02.2004 (stoe) Es gibt fast nichts, was es in Ebay nicht gibt.......
So werden momentan in zwei Auktionen 2 absolute Barometer-Highlights angeboten Es ist einmal ein Double-Tube-Angle Barometer von Charles Orme of Ashby de la Zouch aus dem Jahre 1745, zu einem Startpreis von US$ 15.000,00 und zweitens eine sehr frühes Zeigerbarometer von Georg Adams, aus dem Jahre 1713?, zu US$ 25.000,00.
Schaut man bei Goodison [Ref.66, p.122ff] nach, so ist dieses Instrument nahezu identisch der Abb. 73, allerdings mit Thermometer und wird dort von Goodison in die Zeit um 1760 eingeordnet!
Gleichwohl es sind zwei fantastische Instrumente und wenn echt, auch das geforderte Geld wert. Bei den Summen und dem momentanen Dollarkurs, würde sich sogar noch ein Besichtigungsflug nach Los Angeles rechnen!

Charles Orme of Ashby de la Zouch, Double Angle Barometer 1745, Ebay-Lot 3275928195

George Adams, Wheelbarometer um 1760, Ebay-Lot 32759226647..

22.02.2004 >053

(stoe) Paris ist immer eine Reise wert....
Ganz besonders dann, wenn man schon länger nicht mehr dort war. So kam mir ein Angebot eines Tübinger Reiseunternehmens gerade recht, das sich die Oldtimer- und Uhrenfreunde als Klientel ausgewählt hat und für diese Zielgruppe exzellent betreute Reisen durchführt. Auf diese Weise brauchte ich mir um Übernachtung und Verpflegung keinerlei Gedanken machen und war immer in Gesellschaft von Gleichgesinnten "Jägern und Sammlern".
Auch macht es mächtig Spaß, mal die Highlights, Träume und Wünsche eines völlig anderen Sammelgebiets zu bewundern, zumal ja die eigene Geldbörse dabei in der Regel zu bleibt. Letztlich geht es doch immer wieder um die selben Grundwerte, nämlich um höchste handwerkliche Qualität aus längst vergangener Zeit zu möglichst marktgerechten Preisen, sodass in den Diskussionen darüber keine Meinungsverschiedenheiten aufkamen.
Die automobilen Schätze, die dann auch dieses Jahr wieder auf der "Retromobile" präsentiert wurden, waren entsprechend. Vom Bugatti um 2.500.000 EURO der von Christies versteigert wurde, über eine versilb. Schreibtisch-Garnitur mit Barometer von etwas mehr als 2.000 EURO (siehe Foto!), bis hin zum Modellauto um 50 EURO, gab es alles was das automobile Herz begehrt.
Schlussendlich war ich dann aber froh, dass ich nur ganz begrenzt der Leidenschaft für "altes Blech" fröne und mein Hauptaugenmerk den Wetterinstrumenten gilt, die preislich noch in einer völlig anderen Liga spielen.
Am Samstag habe ich mich dann von der Reisegruppe abgesetzt und das "Musée des Arts et Metier", sowie den weltbekannten Flohmarkt von Paris erkundet. Ich werde darüber berichten.

20.02.2004
Wir trauern um Mr. Ian Chalmers, der am 15.02.04 an den Folgen seiner schweren Krankheit verstorben ist. Er war ein begeisterter Barometerfreund und leidenschaftlicher Sammler.
Unser ganzes Mitgefühl gehört in diesen schweren Stunden seiner Familie.

 

18.02.2004

(stoe) Buchnachlese....
War ich doch bisher der Meinung, dass ich in meiner Bibliothek, zumindest was die letzten 50 Jahre anbetrifft, keine für uns interessante Buch-Neuerscheinung übersehen habe. So muss ich mich, nachdem ich vor 14 Tagen schon einmal berichten musste, gleich noch einmal korrigieren.
Dabei mag man mir zu Gute halten, dass das heutige Werk nicht ausschließlich von Wetterinstrumenten handelt, wenngleich sie darin auch keineswegs zu kurz kommen.

Es ist aber in Leipzig erschienen und das lag damals noch hinter einer politischen Mauer.
Eine ganz hervorragende, wissenschaftshistorische Arbeit mit unzähligen Dokumenten, Quellenangaben und Bildern, in Schwarzweiß und in Farbe, die die "Meteorologie" aus der präinstrumentellen Vorzeit heraus auf 230 Seiten, bis zur heutigen Klimaforschung auf kurzweilige Weise entwickelt.
Eine geschichtliche Dokumentation ersten Ranges, von einem Wissenschaftler, Historiker und Meteorologen geschrieben der, da Jahrgang 1920, die Meteorologie des 20.Jh. ein gutes Stück weit selbst beruflich begleitet hat. Authentischer geht es eigentlich nicht mehr.

Dr. Hans-Günter Körber, Vom Wetteraberglauben zur Wetterforschung, Leipzig - Innsbruck 1987, ISBN 3-7016-2212-4
Schade - aber das Buch ist leider vergriffen. Ich habe für Sie im ZVAB nachgeschaut. Man findet hier momentan 14 antiquarische Exemplare zu einem Preis um die 20,- EURO herum. Das ist fast geschenkt, - halten Sie sich also ran!


11.02.2004 (stoe) Aus dem Auktionsgeschehen...
Bei Christies in South Kensington kommt am 17.03.2004, mit Sale 9805/ Lot 124, ein elegantes, bowfronted Regency-Stickbarometer von Alexander Adie - Edinburgh zur Auktion. Das Estimate wurde mit 2500-4000 GBP veranschlagt. Man darf gespannt sein.
>> Christies -Sale 9805/Lot 124!

Es wurde um 12.906,- GBP verkauft!

07.02.2004 >038

(stoe) Firmenlogos, Firmenzeichen, Punzen...
Ich lege schon seit geraumer Zeit Firmenzeichen, die ich beim Stöbern in Ebay oder auch an unseren alten Instrumenten im Museum finde, in einem extra Ordner ab. So soll mittelfristig ein entsprechendes Archiv entstehen. Dies ist sehr mühsam und ich komme nur schwer voran, da nur ganz wenige Instrumente vom Hersteller selbst gemarkt bzw. gepunzt wurden.
Man findet diese Fabrikzeichen auf den Zifferblättern, auf der Gehäuse-Rückseite, vereinzelt auch am Barometerwerk selbst eingeschlagen (gepunzt).
Alte Firmenkataloge sind hierfür auch eine Quelle. Punzzeichen wurden ab und an leicht abgewandelt und dem Zeitgeschmack angepasst, sodass sie heute, bei entsprechender Kenntnis, eine Aussage über das Alter des Instrumentes zulassen.
Da aber die meteorologischen Instrumente im 20.Jh. leider zum großen Teil über Zwischenhändler vertrieben wurden, die ihrerseits großen Wert darauf legten auf den Zifferblättern angemessen in Erscheinung zu treten, hatte sich der Hersteller gefälligst zurück zu halten. Das rächt sich leider.
Nebenstehendes Logo hält sich allerdings keineswegs zurück. Man findet es fast immer selbstbewusst an dominanter Stelle und es ist uns allen sicherlich schon einmal begegnet. Zumeist handelt es sich dabei um besonders qualitätvolle Barometer, die einen deutlichen Bezug nach Frankreich haben. Es ist daher anzunehmen, dass es sich hier sogar um einen renommierten Hersteller handelt. Wer kann weitere Angaben zu diesem Logo machen?
Siehe NEWS vom 05.05.2004!

31.01.2004

(stoe) Älteres und ganz brandneues vom Buchmarkt....
Erst jetzt wurde mir eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1996 bekannt: G. Blume, In Wind und Wetter - auf Türmen und Dächern, ISBN 3-930694-15-8. Es war gewiss kein Topseller, deshalb wird es wohl gerade vom Verlag ( H.G. Mehlhorn - Leipzig) ausgemustert. Ganze 6,- EURO hat mir meine Buchhändlerin abverlangt, obwohl es einmal 39,80 DEM gekostet hat. Ein liebevolles, mit viel Herzblut gemachtes Buch über Wetterfahnen. Großformatig mit vielen schönen Fotos, ist es eigentlich viel mehr Wert. Also ein richtiges Schnäppchen zum Jahresbeginn und etwas für all diejenigen, die mehr die leiseren Töne lieben.

Ganz frisch aus der Druckerpresse ist dafür Philip R. Collins neuestes Büchlein: Bizzare Barometers and other unusual Weather Forecasters, Trowbridge, Januar 2004, ISBN 0-948382-13-9 für 7,95 GBP. Darin finden Sie im gewohnten Format, all die möglichen und unmöglichen Baroskope und Wettervorhersager, die den Fachmann oftmals belustigen, aber auch gelegentlich nachdenklich stimmen. Unglaublich was es da bei unseren Freunden in Britannien so alles gibt (auf 103 Seiten).
Aber Vorsicht - man kann sich infizieren
!


25.01.2004 >025

 

(stoe) Flaschenteufelchen oder auch Cartesianischer bzw. Cartesischer Taucher...
Es ist ein zum Thüringer Wald gehörendes, fast vergessenes und dabei schon uraltes Reiseandenken, das die Glasbläser in der Region um Ilmenau auch noch heute vereinzelt fertigen.

In der Literatur können wir es bis weit ins 17.Jh. zurück verfolgen. Es sind die "Flaschenteufelchen" oder fachlich korrekt, die "Cartesianischen Taucher" die es dort für wenig Geld gibt. Benannt nach dem franz. Philosophen und Mathematiker René Descartes (1596-1650).

Im Prinzip sind es sehr dünnwandige und folglich leichte Glasfiguren mit einer feinen Öffnung am unteren Ende, in die Flüssigkeit ein- bzw. wieder austreten kann. Wird so eine Figur in eine mit Flüssigkeit (z.B. dest. Wasser) gefüllte schlanke Flasche gegeben, so schwimmt sie in Folge des Auftriebs erst einmal oben im Flaschenhals. Verschließt man aber die Flasche elastisch mit einer Gummikappe und drückt dann drauf, so wird das Wasser, das ja nicht kompressibel ist, in die Figur hineingepresst. Diese wird dadurch schwerer und sinkt ab und umgekehrt. Das Teufelchen schwebt folglich ab und auf und kann sich sogar drehen.
Dieses physikalische Phänomen ist schon seit Jahrhunderten bekannt und sorgt, seit es Physikunterricht gibt, immer wieder für Verwunderung. Natürlich funktioniert das auch heute noch, z.B. bei meinem kleinen Enkel.

Beachten Sie in diesem Zusammenhang meinen neuesten Artikel über die
"Geschichte der Thermometer mit den schwimmenden Glaskugeln".

18.01.2004 >018

(stoe) Ein Nimbus und sein Werth, oder Lambrecht und Klinkerfues eine brisante Paarung......
Es ist mir vor einiger Zeit eine ungewöhnliche Veröffentlichung von Wilhelm Lambrecht aus dem Jahre 1881 in die Hände gelangt [Ref.241].
Herr W. Lambrecht (1834-1904) sieht sich darin, ausgelöst durch eine Flugblattaktion von Herrn Prof. W. Klinkerfues Ende August d.J. 1880, zu einer Gegendarstellung auf 45 Seiten veranlasst. Diese öffentliche und in den Details sehr persönliche Rechtfertigung wirft ein Licht auf die schweren Jahre nach der Firmengründung und auf die schwierige Zweckpartnerschaft der beiden späteren Kontrahenten.

Professor Dr. W. Klinkerfues
(1827-1884) war Astronom und ab 1863 Direktor der Sternwarte in Göttingen und zur damaligen Zeit schon ein bekannter und anerkannter Wissenschaftler. Neben seinen rein theoretischen Forschungen in der Astronomie beschäftigte er sich aber auch mit ganz praktischen physikalischen Problemen und versuchte seine Ideen auch gerne gleich in klingende Münze umzuwandeln. Denn der Herr Professor war es immer gewohnt hofiert zu werden und einen gehobenen Lebensstil zu pflegen.
Zur Umsetzung seiner meist wenig ausgereiften Ideen brauchte er einen Mann an seiner Seite, mit handwerklichen Fähigkeiten und einer mechanischen Werkstätte und fand diesen in Gestalt des Herrn W. Lambrecht. Letzterer fühlte sich zumindest in der ersten Zeit geschmeichelt, für den angesehenen Wissenschaftler arbeiten zu dürfen.

Der erste Kontakt mit Klinkerfues ergab sich nach Lambrecht's Rückkehr von einer Messe in Paris, im Jahre 1867. L. hatte von dort die ersten Kalibatterien mitgebracht, die in der Lage waren einen Platindraht zum Glühen zu bringen. Man konnte also damit z.B. auch ein Leuchtgas entzünden.
Klinkerfues erkannte diese Möglichkeit und ließ sich dafür flugs ein Patent erteilen. Die Idee der "Klinkerfues'schen Handgaszünder" war geboren. Die Erfindung wurde im Vorfeld groß beworben, K. sonnte sich schon als der große Erfinder und L. musste aus den dürftigen Entwürfen das serienreife Produkt entwickeln. Natürlich interessierte den Herrn Professor dabei die Finanzierung in keiner Weise.
Das öffentliche Interesse wuchs aber, denn zur damaligen Zeit musste die Gas-Straßenbeleuchtung allabendlich noch von Hand angezündet werden. K. verkaufte sein Patent im Jahre 1872 an einen österr. Investor nur unter der Bedingung, dass L. dort höchst persönlich eine Fertigung einrichten würde.

Lambrecht folgte dem Ruf, löste seine Werkstatt in Göttingen auf und ging 1872 nach Wien. Dort war geplant, die Erfindung auf der großen Weltausstellung am 01.05.1873 zu präsentieren und damit den geschäftlichen Durchbruch in Österreich, ja vielleicht in ganz Europa zu erlangen. Plötzliche Geldschwierigkeiten des Finanziers in Verbindung mit Patentquerelen zu Hause in Deutschland machten die pünktliche Fertigstellung für Lambrecht zu einem Kraftakt. Aber die Gaskandelaber brannten zum Ausstellungsbeginn, wenn auch der Leuchteffekt bei Tage wenig spektakulär ausfiel. Dies hatte man vorher nicht richtig bedacht. Immerhin reichte es aber für einen 1. Preis aus der Hand des Kaisers.

Dann kam gerade mal 8 Tage nach Ausstellungsbeginn der große Börsenkrach am 08.05.1873, der für den österr. Partner die Insolvenz bedeutete. Aus war der Traum. Außer Spesen nichts gewesen. Für L. galt es finanziell zu retten was zu retten war. Dabei gelang es ihm wenigstens das Haus mit Werkstatt aus der Konkursmasse herauszulösen. Klinkerfues selbst erlebte das Disaster, sehr wohl bestallt, aus dem fernen Göttingen.
Doch es fand sich ein neuer Geldgeber und prompt meldete sich im Jahre 1874 auch Klinkerfues wieder zurück, mit einem neuen Patent auf die Konstruktion eines "bifilaren Hygrometers" [Ref.235]. Es sollte ein Verkaufsschlager werden. L. ließ sich abermals darauf ein, musste aber wiederum feststellen, dass die Konstruktion des Herrn Professors nicht funktionsfähig zu realisieren war. Die "bifilare Aufhängung" des Zeigers war viel zu unruhig.
Spätestens hier hätte L. den Auftrag zurückgeben und sein eigenes Hygrometer bauen sollen. Aber nein, er begann mit den Arbeiten im Juli 1874. Lambrecht entwickelte und konstruierte und führte schließlich eine völlig geänderte Konstruktion zur Serienreife, allerdings ebenfalls unter den Namen "Klinkerfues'sches Patent Hygrometer".
Jedoch auch der neue Finanzier bekam bald "kalte Füße", verlor die Geduld und zog sich zurück. L. brach daraufhin seine Zelte in Wien endgültig ab und kehrte 1875 wieder nach Göttingen zurück.

Wie unschwer vorher zu sehen war, nahmen die Dinge hier ihren Lauf. Lambrecht hatte viele Jahre sein gesamtes Vermögen und noch einiges darüber hinaus investiert und Klinkerfues, ständig in Geldnöten, wollte endlich Bares sehen. 20% vom Reingewinn waren ursprünglich vertraglich vereinbart. Ein Gewinn ließ sich aber aus der Sicht von L. in dieser "frühen Phase" überhaupt noch nicht erkennen. Man einigte sich deshalb auf 1,50 Mark pro ausgeliefertem Gerät im Vorgriff auf eine spätere Endabrechnung. Lambrecht wußte diese jedoch immer wieder zu verzögern. Es kam daraufhin zum Eklat.

Heute, aus der Distanz betrachtet, ist dies eine zwar schicksalshafte aber in der Geschäftswelt nicht ganz ungewöhnliche Geschichte. W. Lambrecht hat sie überwunden und seine Firma in den anschließenden Jahren in eine Blütezeit geführt. Die Firma Lambrecht in Göttingen existiert noch heute und ist für ihre Produkte der Vergangenheit, sowie in der Gegenwart weltweit bekannt.

Sehr ungewöhnlich ist die Druckschrift und der öffentliche Streit . Für den Sammler enthält sie jedoch höchst interessante Jahresdaten aus erster Hand. Damit lassen sich einige frühe Instrumente besser zeitlich einordnen. Hiernach beschäftigte sich Lambrecht 1876 erstmals gedanklich mit einem Baro-Hygrometer. Im Juni 1880 wollte sich auch Klinkerfues ein solches Instrument mit dem Namen "Wetterkompass" patentieren lassen, dass dann aber auf die Hamburger Firma Biernatzki eingetragen wurde, die fortan K's Vertrauen genoß. Von einem Thermohygroskop war bis dato nicht die Rede. Siehe auch unseren Bericht in Barometrie/ Technik

10.01.2004 >010

(stoe) Integrierte Wettererläuterungen an Barometern.......
Besonders die Seefahrt war schon immer dringend auf gut funktionierende Wettervorhersagen angewiesen. Tragische Schiffskatastrophen zu Mitte des 19. Jahrhunderts brachten die Dinge dann in Frankreich und in England in Bewegung. Es kommt dabei hinzu, dass die in den 30er-Jahren des 19.Jh. erfundene Telegraphie, zu Ende der Vierziger gerade ihren Siegeszug antrat. Entfernungen rückten zusammen und der Datenaustausch wurde entscheidend erleichtert.
Die Seefahrernationen Frankreich, Niederlande und England waren dann auch die Ersten, die meteorologische Beobachtungsnetze aufbauten. Während sich in Frankreich Urbain Le Verrier (1811-1877), ab 1854 Direktor des Pariser Observatoriums, verdient machte, war es in den Niederlande C.H.D. Buys-Ballot (1817-90) und in England Robert Fitzroy (1805-65).

Erste regelmäßige Wettervorhersagen gab es in der Presse übrigens ab August des Jahres 1848 in der englischen "Daily News"
[Ref. 218, p.89].

Zu Mitte des Jahrhunderts machte sich Admiral Robert Fitzroy für die englische Marine verdient, indem er versuchte die Wettervorhersage kalkulierbarer zu machen. Dazu schrieb er im Jahre 1860 für die königl. Wetterbüros sein "Barometer Manual", eine Anleitung zur Vorhersage in 90 Punkten [Ref.191+ 192]. Auch ließ er zu diesem Zweck in allen britischen Seehäfen und an vielen Bahnhöfen seine typischen "Fitzroy-Barometer" mit Thermometer und Sturmglas, sowie in den Anzeigebereich integrierten Wetterbemerkungen anbringen.
Dies brachte bald Nachahmer auf den Plan die es noch besser konnten, wie z.B. den weniger bekannten und deshalb exklusiveren "The World's Barometer & Weather Indicator" von Wilson, Son & Walter - Liverpool, der um 1865-70 zusätzlich mit Minimum-Maximumthermometer und einem Sympiesometer ausgestattet war. Aber auch mit dem "Improved Barometer", bekannt als "Polytechnik-Barometer", mit Direktanzeige per Schiebezeiger auf das runde Zifferblatt, wurde den Wetterinteressierten ein Mehr an Information geboten.

Solchermaßen inspiriert lag es natürlich nahe, dass zu Ende des Jahrhunderts die Hersteller von Aneroid-Barometern auch nicht nachstehen wollten und an ihren Wetterstationen ebenfalls weiterführende Wettererläuterungen anfügten. Wir können auch hierzu einige Beispiele zeigen.

Die Meteorologie war zu jener Zeit eben stark bemüht, den Elementen und anderen Wetterindikatoren gewisse Gesetzmäßigkeiten abzuringen. So die franz. Meteorologen J.R. Plumandon und A. Colomes. Beide waren am Observatorium Puy de Dome beschäftigt und entwickelten in den 90er-Jahren des 19.Jh. eine eigene Theorie zur Wettervorhersage. Sie beobachten hierzu über einen langen Zeitraum hinweg den Zug und die Formation der Wolken in Verbindung mit der Windrichtung, dem Luftdruck und der Jahreszeit. Plumandon hat diese Erkenntnisse in seinem Buch zusammengefasst [Ref.243] und auch gleich ein geeignetes Barometer dazu fertigen lassen.

In Deutschland verband die Firma Wilhelm Lambrecht aus Göttingen zwei Instrumente aus eigener Fertigung, ihr "Holosteric-Barometer" und das "Thermohygroskop" zu einem "meteorologischen System". Vermarktet wurde es in Verbindung mit einer Prognosentafel als "Lambrecht's Wettertelegraph". In einem Verzeichnis [Me 1253] nennt die Fa. Lambrecht das Jahr 1881, als das Jahr der Erfindung. Dieses Vorhersagesystem wurde in Deutschland über mehrere Jahrzehnte hinweg, bis weit ins 20.Jh., zu einem großen Erfolg und gehörte zur Standardausrüstung jeder "Lambrecht'schen Wettersäule". Siehe hierzu auch die Spezialseite: "Wettersäulen in Europa"
Absatz inhaltlich korrigiert am 21.04.04 GS

Aber auch in England war man nicht untätig. Die Firma Negretti & Zambra ließ sich im Jahre 1915 unter der Nr.6276/15 ihren "Weather-Foreteller" patentieren. Es ist eine Rechenscheibe zur Wetterprognose. Diesen "Foreteller" gab es in den verschiedensten Ausführungen. Einmal in das Barometer selbst integriert als Taschen- und Wandmodell, dann die Einzellösungen als Standmodell, sowie als handliche Rechenscheibe für die Tasche. Beachten Sie hierzu die Bilder im Anhang und auch die Instrumente in unserem Museum!

Im weiteren Verlauf des 20.Jh. wurde dann von der Meteorologie nach und nach erkannt, dass die Zusammenhänge des Wettergeschehens doch weitaus komplexeren und großräumigeren Abläufen gehorchen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. So hat die Wetterbeobachtung und Registrierung zwar gewaltige Fortschritte gemacht, trotzdem bleibt eine Vorhersage über mehrere Tage hinaus immer noch mit allerhand Unwägbarkeiten behaftet.

03.01.2004 (stoe) WEATHERSTAR NR. 3-6
Das fängt ja gleich gut an im Neuen Jahr . Die Bilder sind zwar recht lieblos fotografiert und den Objekten in keiner Weise angemessen, trotzdem fällt dem Kenner sofort auf, dass es sich hier auf der Homepage von Medford Clock & Barometer in Medford NY (USA) um eine ganz außergewöhnliche Auswahl von Diagonalbarometer handelt. Gleich 4 Stück auf einer Seite, das findet man doch eher selten. Bei näherer Betrachtung sind es 3 Instrumente mit einfachem Rohr (single tube diagonal barometer) und eines mit doppeltem Rohr (double tube diagonal barometer). Zwei der drei Hersteller sind in Fachkreisen sehr wohl bekannt.

Über John Stenson aus Derby allerdings, weiß Banfield lediglich zu berichten [Ref. 97], dass er um 1782 in Derby als Hersteller und Reparateur von Barometern tätig war. Es handelt sich hier übrigens um eine besonders harmonische und frühe Form eines Diagonalbarometers. Das Rohr ist in seinem aufsteigenden Teil "getunnelt".

Charles Howorth
(fl.1823 +1852) ist für seine Diagonalbarometer bekannt. Er lebte und arbeitete noch bis zur Mitte des 19.Jh. in Halifax - Irland [Ref. 66]. In der Mehrzahl fertigte er Instrumente mit nur einem Quecksilberrohr, manches Mal mit überlangen "Auslegern". Aber er hat auch kurze Varianten gebaut, dann mit 2 Rohren wie man sieht. Immer sind sie mit einer Papierskala ausgestattet.

Balthazar Knie
(fl. 1776-1814) lebte überwiegend im 18.Jh. und hat, glaubt man den Historikern, seine Wurzeln offenbar sogar in Deutschland [Ref. 66 + 97]. Er war in seinen frühen Jahren in ganz Europa unterwegs und wurde schließlich im Jahre 1776 in Edinburgh-Schottland sesshaft. Dort eröffnete er einen Betrieb als Glasbläser und Barometermacher und arbeitete bis 3 Jahre vor seinem Tod (+1817). Das abgebildete Instrument ist dabei ein typischer Vertreter seiner Barometer aus der Zeit um 1780. Er war auch bei den Winkelbarometern (angled barometer) um eine gewisse Symmetrie bemüht und erreichte dies, indem er das Hg-Rohr definiert um dessen Achse zweimal abwinkelte. Landläufig bezeichnet man diese Form daher auch als "Zig-Zag-Barometer". Vergleiche hierzu auch meine NEWS vom 09.11.03, mit dem Barometer von E. Greiner.
Zu Weatherstar Nr.3-6

01.01.2004

+++++++++ PROSIT NEUJAHR ! ++++++++

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