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Barometrie-Technik
Das Hybrid-Barometer von Schmiegel,
nach Richard Adie 1860
Angeregt
durch das Adie-Prinzip von 1860 und angetrieben durch den Frust den das Quecksilberverbot
ausgelöst hat, bin ich ständig auf der Suche nach Alternativen, die unseren
schwer betroffenen Herstellerfreunden ersatzweise einige Euros in ihre Kassen
spülen könnten.
Das
Hermetic-Barometer von Adie konnte in dem Zustand, in dem es sich mir präsentierte,
prinzipiell erst einmal nicht funktionieren. Als Gefäß diente eine
flache Glasphiole, die niemals elastisch sein konnte.
Wie wäre es aber, wenn das Gefäß wirklich elastisch wäre? Im Gegensatz zu damals gibt es dazu heutzutage Barometermembranen in jeder Größe. Könnte das vielleicht die Lösung sein? Lässt sich solch ein Instrument nach 150 Jahren wieder bauen.
Eine interessante Aufgabe, die ich natürlich nicht alleine bewerkstelligen konnte. Aber wir haben für solche Fälle ja unseren geschätzten Herrn Gerhard Schmiegel, seines Zeichens Thermometer- und Barometerglasbläser im Ruhestand. Ich brauchte ihn auch nicht lange zu bitten. Er besorgte sich gleich mehrere Beryllium-Membranen unterschiedlicher Größe und machte sich begeistert an die Arbeit.
Die Kunst ist es nun, das Volumen der Membran, die Länge und den Durchmesser der Kapillare und das Luftgefäß oben, soweit in Einklang zu bringen, dass der Temperatureinfluss über einen weiten Bereich kompensiert wird. Dann fehlt eigentlich nur noch die Skala. Klingt leicht, ist es aber nicht!
Hat man dies erreicht, dann rühren alle weiteren Änderungen der Anzeige, ganz alleine vom Luftdruck her. Sie werden sich vorstellen könnnen, dass es großer Erfahrung bedarf, diese Forderung mit drei Unbekannten in angemessener Zeit zu erfüllen. Aber es dauerte kaum 8 Tage, dann hielt ich den ersten Prototypen in Händen. Im Vergleich zu meinen Quecksilberbarometern ergaben sich aber durchaus noch Differenzen im Bereich von +/- 5 hPa. Erschwerend kam noch hinzu, dass ich auf einer deutlich höheren Ortshöhe zuhause bin, was natürlich einkalkuliert werden musste.
Also gingen die Barometer einige mal hin und her, bis ich seit etwa 14 Tagen mein perfektes Instrument an der Wand hängen habe. Es zeigt momentan 1007 hPa, mein Referenzbarometer 1008 hPa und das in einem Temperaturbereich von +20 oC bis -10 oC. Damit lässt sich leben.
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Der Beweis dass es funktioniert ist also erbracht. Die Fotos unten zeigen nun einige Beispiele aus Schmiegels START-Kollektion (Bild 4-7). Verblüffend ist die Ähnlichkeit mit einem normalen Thermometer, daher sind auch schon einige Kombinationen dabei. Man könnte sich auch quadratische, emaillierte Werbebarometer vorstellen und damit vielleicht eine neue Sammelwelle auslösen. Aber ich denke, es gibt noch genügend andere zündende Ideen.
Es ist eine wiederentdeckte Aktualität aus dem 19. Jahrhundert die ich Ihnen da anbiete, machen Sie was draus. Wohlgemerkt, wir haben nichts zu verkaufen, die "Freunde alter Wetterinstrumente" stellen Ihnen nur das Knowhow zur Verfügung. Der Name Hybrid bedeutet lt. DUDEN übrigens, "von zweierlei Herkunft". So ist es denn auch eine gekonnte Mischung aus einem Metallbarometer und einem Flüssigkeitsthermometer.
ANMERKUNGEN DER FAW ZUM HYBRID-BAROMETER:
Ein von Richard Adie im Jahre1860 bereits beschriebenes Prinzip wurde hier
funktionsfähig umgesetzt! Bei dieser äußerst interessanten Konstruktion handelt
sich um kein reines Metallbarometer, aber auch um kein Flüssigkeitsbarometer,
sondern um eine gekonnte Mischung aus Beiden.
Eine Membran fungiert als Drucksensor, die daran angeschlossene Glaskapillare als Anzeige. Dabei handelt es sich um ein in sich geschlossenes System, das quecksilberfrei und relativ unabhängig gegenüber Temperaturschwankungen ist. Im Vergleich zu einem Quecksilber-Gefäßbarometer reagiert die Anzeige doppelt so empfindlich, bei nur einem Drittel der Länge. Es lässt sich daher völlig problemlos transportieren und auch versenden. Bei der Fertigung wird es auf die gewünschte Gebrauchshöhe kalibriert, sodass es zu Hause an der Wand, sofort und wartungsfrei für lange Jahre seinen Dienst tut.
Adie hatte damals das Prinzip schon richtig erkannt, jedoch
kam es zu spät auf den Markt. Lucien Vidie hatte in Frankreich bereits
1843 das Aneroidbarometer erfunden und durch DENT auch in England vertreiben
lassen. Um 1860 war der Markt in England mit Metallbarometern bereits überschwemmt.
Trotzdem ist es eine interessante Erfindung, die man in der momentanen, besonderen
Situation der Branche und in der Hinwendung des Verbrauchers zu allem Nostalgischem
vielleicht wieder reaktivieren könnte. Ich bin mir sicher, Richard Adie
hätte nichts dagegen!
Gerhard Stöhr
für die FaW
© Gerhard Stöhr 2009.12