Barometrie-Technik


Das Hermetic-Barometer
von Adie
Gerhard Stöhr 2009.12

Der Adie Clan

Alexander Adie (1775-1858) ging ab 1789 zu seinem Onkel John Miller in Edinburgh in die Lehre. Der gehörte damals zu den Top-Instrumentenmachern in Schottland. Der Junge entwickelte sich bestens und so holte sich im Jahre 1804 John Miller seinen Neffen Alexander als Partner an seine Seite und firmierte seinen Betrieb in Miller & Adie um. John Miller verstarb 1815 und Alexander Adie führte den Betrieb weiter.

Im Jahre 1818 meldete er sein Sympiesometer zum Patent an, das in der ersten Hälfte des 19.Jh ein großer Erfolg wurde, denn die Kundschaft hatte längst auf ein solch verkürztes Barometer gewartet. Er wurde daraufhin auch prompt als Mitglied in die ehrwürdige Royal Society von Edinburgh berufen. Vater Alexander und Sohn John verbanden sich im Jahre 1835 geschäftlich zu Adie & Son (1835-81).

Alexander Adie hatte aber drei Söhne, die alle Vaters Beruf erlernt hatten. Heute würde man sagen, "die Äpfel fallen nicht weit vom Stamm", denn alle drei Söhne hatten Vaters Erfolgsstreben und Innovationskraft geerbt. Viele Verbesserungsvorschläge und Patente auf dem Gebiet der Barometrie jener Zeit zeugen noch heute davon und festigten den excellenten Ruf der Familie in der Branche

Von John (+1857) dem Ältesten haben wir schon gehört, dass er den Vater in seinem Betrieb in Edinburgh unterstützte, während die beiden jüngeren Söhne Richard (1810-1881) und Patrick (1821-1886) sich erfolgreich in Liverpool und London betätigten. Richard übernahm nach dem Tod seines Bruders John die Mitverantwortung in Edinburgh.

 

Das Adie Hermetic-Barometer

Silber Medaille der Royal Scottish SocietyIm Jahre 1860 war für die Firma Adie wieder einmal der Zeitpunkt gekommen um mit einer neuen Innovation an die Öffentlichkeit zu treten.
Die Vorstellung des Instrumentes, ein neuartiges Gasbarometer, übernahm Richard Adie aus Edinburgh, vor einem Komitee der Schottischen Gesellschaft der Künste.
Er wurde daraufhin mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Den Originalbericht habe ich mir besorgt und ins Deutsche übersetzt, das
englische Original finden Sie als pdf-Datei im Anhang. Aber lesen Sie selbst:


ROYAL SCOTTISH SOCIETY OF ARTS
Bericht des Preiskomitees, 1860 - 61
freie Übersetzung: Gerhard Stöhr 07.2008

Beschreibung des "Hermetic Barometers" der Firma Adie & Sons, durch Richard Adie - Liverpool. Verschiedene Instrumente wurden zusammen mit einer Zeichnung ausgestellt. Das Papier wurde von Dr. Maccadam vorgelesen, der auch einen Brief von Dr. Swan an Herrn Adie, das Instrument betreffend, vortrug.

Das "Hermetic Barometer" verdankt seinen Namen dem Umstand, dass es hermetisch (griech. luft- und wasserdicht) verschlossen ist. Es ist eine der ältesten Form eines Thermometers der Weingeist- bzw. Alkoholart, umgewandelt zu einem Barometer. Dies wurde erreicht durch eine kugelförmige Luftblase mit fester Wandung an der Spitze (D), während das Alkoholgefäß unten, elastische Wandungen hat (A). Die Auswirkungen der Temperatur auf die beiden Gefäße wurden so eingestellt, dass sie sich gegenseitig aufheben. Der Charakter dieses Barometers im Vergleich zu Anderen ist, dass es sich sehr ähnlich wie eine Hg-Säule verhält, eher etwas unruhiger. Die bewegliche Natur der Flüssigkeit mit der es gefüllt ist, macht es sehr empfindlich.

Mikroskopisch betrachtet wird man Bewegungen erkennen, die an einer Quecksilberkapillare fremd sind. Ungleiche Erwärmung durch die Hand oder einer anderen Wärmequelle beeinflussen diese Instrumente. Zur Abhilfe sollte man sie dann für eine halbe Stunde in den Schatten hängen. Dieses Barometer, einschließlich dem Glasgehäuse in das es zum Schutz hineingehört, ist 11 Zoll lang , 2 Zoll breit und 1 Zoll tief (27,9x 5,0x 2,5cm) . Die Teilung erlaubt ein Ablesen in Zoll, zehntel und fünfzigstel Zoll. Auch gibt es einen Zeiger zur Registrierung der letzten Anzeige (Bild 1). Das Instrument kann als langlebiges Barometer empfohlen werden, denn einmal an einem sicheren Ort angebracht, gehen Jahre ins Land ohne dass man etwas daran ändern muss. Vom Alkoholthermometer von dem es ja abstammt ist bekannt, dass diese über 50 Jahre klaglos ihren Dienst tun..

Das "Hermetic Barometer" empfiehlt sich auch als Höhenmesser, da es leicht transportiert werden kann. Wenn gewünscht, kann man die Länge auf 6 cm verkürzen, in dem man das Alkoholgefäß auf die Rückseite umlenkt (Bild 3). Die Genauigkeit zur Höhenmessung ist nur durch eine perfekte Temperaturkompensation erreichbar, die für diese Art Barometer für jedes Instrument einzeln erforderlich ist.

Soweit der Bericht: Der Zufall wollte es, dass exakt zu diesem Zeitpunkt zwei dieser Instrumente in den Handel kamen. Eines wurde bei Dickinsen auktioniert (Bild 1), während das Zweite, eine Reiseversion (Bild 2), im Antiquitätenfachhandel auftauchte. Leider konnte ich keines der Beiden erwerben, jedoch hat mich Herr Fontijn mit guten Detailfotos versorgt.

Das Alkoholgefäß bestand im vorliegenden Fall aus einer flachen, dünnwandigen Glasphiole (bild 3), welche niemals wie gefordert, elastisch sein konnte. Die rote Farbe stammt von dem angetrockneten roten Weingeist im Innern. Das Instrument wurde folglich zwischenzeitlich von unkundiger Hand repariert. Es konnte so nicht funktionieren.

Wäre das Gefäß wirklich noch original gewesen, wie es Richard Adie beschreibt, dann gehört ans untere Ende der Kapillare eine flaches Behältnis (cistern) mit den ungefähren Abmessungen einer >halben Krone<, das sind 1,4" im Durchmesser und 0,10" Dicke ( D= 3,5cm, d= 0,25cm). Über das verwendete Material schweigt er sich aus.

Quellen:
Ref. 97 Banfield Barometer Makers and Retailers 1991
Me1646 RSSA Report of Prize Committee 1860-61
Me1647 Adie Richard Description of an hermetically sealed barometer 1861

 

Bild 1 / foto: dickinsen auctioneers
Bild 2 / foto: fontijn
Bild 3 / foto: fontijn
Bild 4/ Davie's Silber Medaille

 


© Gerhard Stöhr 2009.12


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