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Barometrie - Geschichte
Das 17. und 18.
Jahrhundert in Europa, im Hinblick auf die wissenschaftlichen und die meteorologischen
Instrumente im Besonderen
Gerhard Stöhr 2004.9/ Version 4/ 2005.10
Einleitung
Will man sich ein Bild der wirtschaftlichen, ökomonischen und sozialen
Verhältnisse in Europa in den beiden ersten Jahrhunderten der Baro- und
Thermometrie machen, so stehen uns hierfür primär die Arbeiten von
Maurice Daumas, Sir Nicholas Goodison und Edwin Banfield
zur Verfügung. Den Leser erwarten dann allerdings etwas mehr als 500 Seiten,
meist englischer Text.
Da mir dieses Wissen, als Voraussetzung zum Verständnis der späteren Entwicklungen unserer wissenschaftlichen Instrumente aber sehr wichtig erscheint, habe ich für Sie diese Arbeiten gelesen, bewertet, miteinander abgeglichen und als Ergebnis auf einige wenige Seiten gestrafft. Dabei ließ es sich nicht vermeiden, dass ich selbst interessante Teile ausblenden musste. Ich kann Ihnen daher nur empfehlen, dass Sie sich die im Quellenverzeichnis genannten Bücher und Artikel gelegentlich zu Ihrer Lektüre zu machen.
Das 17. Jahrhundert
Wie wir aus der Wissenschaftsgeschichte wissen, beginnt die Messung des atmosphärischen
Luftdrucks mit dem Torricellischen Versuch im Jahre 1643-44. In den nachfolgenden
Jahren wuchs die Erkenntnis, dass der Luftdruck höhenabhängig und
dass gleichzeitig ein Zusammenhang zum Wettergeschehen bestehen musste. So war
man bis in die 60er-Jahre des 17. Jh. mit der physikalischen Grundlagenforschung
beschäftigt.
Bei den hierfür notwendigen Messungen zeigte es sich, dass die Schwankungsbreite des Luftdrucks, bei einer "geraden Röhre" kaum mehr als 2 inch, ca. 5 cm ausmacht und dass deshalb das exakte Ablesen der Anzeige eines Barometers, damals wie noch heute, seine Schwierigkeiten hat. Die Wissenschaftler in ganz Europa sannen deshalb auf Abhilfe. Auf der Suche nach einer praktikablen Lösung zur Skalenerweiterung erfand der Engländer Robert Hooke das Radbarometer (um 1664) und ein Zweiflüssigkeitsbarometer im Jahre 1668, Samuel Moreland das Diagonalbarometer (um 1682) und der Niederländer Christian Huygens entwickelte um 1672 ein eigenes Zweiflüssigkeitsbarometer (Kontrabarometer). Allesamt Möglichkeiten die wir kennen, um die Skalenanzeige zu "spreizen" und so die Messgenauigkeit vermeintlich zu erhöhen.
Je nach Land und Region wurden die Barometer in alter Zeit auch als Wettergläser, Baroscope oder als Baroscopologien bezeichnet. Dabei können wir davon ausgehen, dass diese ersten Instrumente rein wissenschaftlichen Zwecken genügen mussten und entsprechend Zweck orientiert, einfach ausgeführt waren. Bei Bruch wurden sie kaum jemals repariert, sondern einfach durch ein neues Instrument ersetzt, die traurigen Überreste entsorgt. Das erklärt, warum kaum Instrumente aus dieser Anfangszeit überlebt haben.
Ein
Durchnittshaushalt verfügte im 17. Jahrhundert ganz sicher noch über
kein Barometer. Selbst eine Uhr, ebenfalls eine recht kostspielige Angelegenheit,
war noch nicht überall selbstverständlich. Wer dachte zu diesem Zeitpunkt
schon an einen Barometer? Es waren erst einmal die Gelehrten, Wissenschaftler,
Ärzte und Philosophen, also die gehobenen Stände.
Die Uhrmacher und Möbeltischler waren es, die damals in England traditionell eng miteinander verbunden waren, ebenso die Instrumentenmacher und Optiker. Alle vier Berufsgruppen nahmen sich auch alsbald dem neuen Produkt an. So lagen die ersten Barometer vereinzelt bereits um 1680 in den Schaufenstern der Londoner Uhrmacher und Optiker.
Männer wie John Smith (fl.1678-1694), Thomas
Tuttel (fl.1688-1702), Henry Wynne (fl.1654-1709), John Yarwell
(1648-1712), Thomas Tompion (1638-1713), John Warner (fl.1684-1722),
hatten schon einen Namen. J. Smith schrieb übrigens das älteste
Druckwerk zum Thema "Barometer" überhaupt (Abb. 1):
A Compleat Discourse of the Nature, Use, and Right Managing of that wonderful
Instrument, the Baroscope or Quicksilver-Weatherglass, London 1888.
Smith favorisiert darin das gewöhnliche Gefäßbarometer, als das genaueste gehende und nennt auch schon die noch heute üblichen Skalenbezeichnungen: Sturm - viel Regen - Regen - Veränderlich - schön - beständig - sehr trocken. Als Ausdehnungsgefäß benützte er bei seinen Instrumenten eine flache Glasschale, wie es seinerzeit allgemein üblich war.
In
den 90er-Jahren nahm dann die Nachfrage seitens der finanziell besser gestellten
privaten Haushalte langsam zu. Unter den frühen englischen Barometerherstellern
finden sich so bekannte Namen wie: John Patrick (fl.1686-1722), Daniel
Quare (1649-1724), Daniel Delander (1674-1733) und James Markwick
(fl.1692-1739), alles Namen die auch in der Uhrmacherei damals schon einen guten
Klang hatten. Siehe Patrick's frühes Flugblatt um 1700 (Abb. 2).
In Frankreich sahen die wirtschaftlichen Verhältnisse im 17. Jahrhundert dagegen eher dürftig aus
In den 2. Hälfte des 17. Jh. nahmen sich dort die Emailleure zu allererst des neuen Produktes an, zumal die Herstellung der Skalen ja auch bestens zu ihrem Berufsbild passte. In diesem Zusammenhang fällt dann meist der Name "Hubin", ein franz. Emailleur englischer Abstammung, der um 1673 als einer der besten Barometermacher im Land galt. Einige Jahr später (1695), muss das dann auch dem König aufgefallen sein, denn der ernannte "Le Sieur Hubin" zum "Emailleur du Roi", was eine ganz besondere Auszeichnung für einen Handwerker war. Innerhalb der Emailleure bildete sich dann im Laufe der Zeit eine Untergruppe, die "Phycisisten", die sich der Fertigung auch anderer "physikalischer Instrumente", wie Thermometer, Hygrometer und Luftpumpen verschrieben hatten.
Nicht unschuldig an dieser ungleichen Entwicklung war die Organisation des Handwerks in Frankreich und in den anderen Ländern des Kontinents. Während man in England als Hersteller wissenschaftlicher Instrumente lediglich die Wahl zwischen Watch & Clockmakers-Company und Spectaclesmakers-Company hatte, gab es z. B. in Frankreich eine Unzahl verschiedener Zünfte.
Nahezu jede Berufs- ja Berufsuntergruppierung wurde durch eine
eigene Zunft vertreten. Eine Arbeitgebervereinigung, die die Aufgabe hatte ihre
Mitglieder gegenüber der staatlichen Administration zu vertreten, den Berufsnachwuchs
zu betreuen, Streit untereinander zu schlichten und den Wettbewerb in geordneten
Bahnen zu halten. Letzteres wurde jedoch bald zur Hauptbeschäftigung, denn
die Handwerker belauerten sich untereinander mit Argusaugen, dass ja keiner
Arbeiten ausführte, die nicht zu seinem Berufsbild gehörten.
So waren z.B. an der Fertigung einer einzigen Kaminuhr nicht selten 6-8 Einzelgewerke
beteiligt. Schreiner, Schleifer, Holzschnitzer, Vergolder, Bildhauer, Gießer,
Uhrmacher, Emailleure, trugen jeweils ihren Teil zum Gesamtwerk bei. Bei den
Barometern war dies nicht viel anders. So durfte ein Holzschnitzer nicht vergolden,
ein Vergolder kein Zifferblatt bemalen, ein Gießer durfte zwar Messingröhren
fertigen, aber keine opt. Linsen einsetzen. Dies war wiederum einem speziellen
Zweig der Brillenmacherzunft vorbehalten. Und so ging das durchgehend weiter.
Dies System war schwerfällig, unproduktiv und verhinderte ein konstruktives
Miteinander. Das erklärt auch, warum viele Uhren und Barometer aus dem
17. und 18. Jahrhundert unsigniert geblieben sind. Etwas mehr Freiheiten hatten
da schon die privilegierten Handwerksmeister, die unter dem Schutz des Königs
standen (privilégé du Roi).
Erwähnt wurde bereits die Betreuung der Ausbildung des Berufsnachwuchses, eine heute noch originäre Aufgabe einer Innung (Zunft). In der Regel dauerte damals eine Lehrzeit 4-5 Jahre und endete mit der Gesellenprüfung. Hierzu musste ein Gesellenstück angefertigt werden. Ein Meister durfte nur einem Betrieb bevorstehen und zur gleichen Zeit jeweils nur einen Lehrling ausbilden. Das ergab im Laufe eines Arbeitslebens maximal 5-6 Gesellen. Eine Ausnahme machte der eigene Sohn, der zusätzlich ausgebildet werden konnte und das Privileg hatte, kein Gesellenstück anfertigen zu müssen. Eine solche Ausbildung war für den Lehrling mit einer Reihe von Gebühren an den Meister, die Prüfungskommission und den König verbunden, sodass eine Handwerksausbildung nur den Kindern aus besser situierten Haushalten vorbehalten blieb.
Nach einigen Gesellenjahren konnte der Meistertitel erworben werden, der höchste Ausbildungsstatus innerhalb eines Handwerksberufes.
Ein weiteres Privileg, das nur den wenigsten, meist den Luxushandwerkern vorbehalten war, war das Angebot des königlichen Hofes, sich im Parterre des Louvres niederzulassen. Eine solche Geschäftsadresse war natürlich eine ganz besondere Auszeichnung und nur den Besten der Zunft vorbehalten. Ähnlich gesuchte Geschäftsstandorte fanden sich auf dem Grund und Boden von Abteien oder in der Nachbarschaft von wissenschaftlichen Einrichtungen, wie z.B. Obersavatorien, Palästen etc.: z.B. der Abtei von Saint-Germain-des Prés, Saint-Martin-des-Champs oder des Royal Observatoire de Paris etc.
Der Titel des "Ingénieur" erschein erstmals zu Beginn des 18. Jh. und setzt sich in den folgenden 100 Jahren gemeinhin durch. Er zeugte aber in den Anfangsjahren von keinen besonderen Kenntnissen oder Fähigkeiten. Davon ausgenommen war der "Ingénieur du Roi" ein Titel, der vom franz. König ab 1788 für einige Jahre lang an herausragende Handwerkerpersönlichkeiten verliehen wurde und den Betrieb des so Ausgezeichneten unter seinen besonderen Schutz stellte. Dies bedeutete weitest gehende Freiheit in der Berufsausübung.
Erfinder konnten sich Ihre Erfindungen übrigens bereits ab etwa der Mitte des 16.Jh. durch einen "Patentbrief" schützen lassen, der vom Parlament registriert wurde und seinen Besitzer für einen Zeitraum vor Nachahmern schützte.
Diese geschilderte Situation war unbefriedigend und nicht nur für Frankreich typisch. Auch Italien, welches Anfang des Jahrhunderts noch durch eine besonders innovative Optikerschaft aufgefallen war, hatte keine einzige namhafte mechanische Werkstatt, mit internationalem Ruf aufzuweisen. Es steht die "Accademia del Cimento" in Florenz (1657-1667) mit ihren Glaskünstlern, Antonio Alamanni und Jacopo Mariani an der Spitze, ziemlich alleine da. Selbst in Holland war die Situation nicht viel besser, mal ausgenommen von einer kleiner Anzahl Fertigungsstätten für maritime Navigationsinstrumente, die von der nationalen Flotte gebraucht wurden. Das änderte sich erst im 18. Jahrhundert zugunsten der Barometerwerkstätten.
Auch in Deutschland war im 17. Jh., mit Ausnahme vielleicht einiger weniger mechanischer Werkstätten aus Süddeutschland, kein Hersteller über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Das 18. Jahrhundert
Zu Beginn des 18. Jh. war es dann in London überhaupt kein Problem mehr
ein Barometer zu erwerben. Ja man fertigte
damals
bereits für den Export auf den Kontinent. John Patrick beweist das
mit seiner Werbung (um 1710) eindrucksvoll (Abb. 3).
Edward Saul konnte deshalb schon im Jahre 1735 berichten, dass Barometer "mittlerweile in jedem gehobenem Haushalt" zu finden seien.
Auch die soziale Situation war eine völlig andere. Während in Frankreich und den anderen Ländern des kontinentalen Europas, die Instrumentenmacher von den Wissenschaftlern eher geringschätzig als abhängige Arbeiter und Händler behandelt wurden, selbst wenn sie schon renommiert waren, saßen in England Männer wie Graham, Ramsden, Nairne und Dolland, ganz selbstverständlich als Mitglieder der Royal Society mit den Wissenschaftlern an einem Tisch.
Diese liberale Einstellung setzte sich auch in anderen Wirtschaftszweigen fort und sorgte für ein freies, konstruktives Arbeitsklima und damit für eine geradezu explosionsartige Expansion in den nachfolgenden Jahrzehnten.
Die franz. Regierung versuchte ihrerseits zwar durch Anwerbung englischer Arbeiter der Entwicklung entgegen zu steuern und mehr Dynamik in ihre Wirtschaft zu bringen. Trotzdem blieb es dabei, die französischen Instrumentenmacher fertigten hauptsächlich die kleineren Instrumente für die Salons und mussten die großen Objekte, wie sie in der Astronomie in großer Zahl gebraucht wurden, den Engländern überlassen. Daran änderte sich auch im 18. Jahrhundert wenig.
Es war das Jahrhundert, wo die neuesten Erkenntnisse der Naturwissenschaften, der Technik und Physik über Schulen und Universitäten an breite Bevölkerungsschichten weitergegeben wurden. Man brauchte für den Unterricht Demonstrationsinstrumente in großer Anzahl. Namhafte Professoren wie Hauksbee, s'Gravesande und Desagulier in Londen, Abbé Nollet in Frankreich und Jan von Musschenbroek in Holland veröffentlichten ihre erfolgreichsten Vorlesungen in Buchform, sodass auch interessierte Laien Zugang zum aktuellen Wissen hatten. Selbst fahrendes Volk, wie Gaukler und Illusionisten reisten durch die Lande und versuchten ihr Publikum mit physikalischen Experimenten zu beeindrucken. Klar, dass man die Versuche zu Hause nachvollziehen wollte.
Dies führte dazu, dass nicht nur in Adelskreisen und an den Bildungseinrichtungen der Bedarf an Instrumenten weiter wuchs, sondern sich auch die so genannten "gebildeten Kreise" des Mittelstandes, sich gern mit solchen Objekten umgaben.
Man hatte damals, wenn man es sich leisten konnte, zu Hause ein "Physikalisches Kabinett". Worin dann, je nach den finanziellen Möglichkeiten natürlich, selbst solch kuriose Instrumente wie ein "verkürztes" oder gar eine "konisches Barometer" nach Amontons, ein Winkelbarometer oder ein Thermobarometer zu finden waren. Je ausgefallener desto besser. Die Hersteller hatten jedenfalls allesamt Hochkonjuktur.
Auf diese Weise konnte man seinen "intellektuellen Status" natürlich eindrucksvoll demonstrieren.
Barometer aus der ersten Hälfte des 18.Jh., der Frühzeit der Barometrie, sind heute vergleichsweise rar, zählen zu den musealen Objekten und wurden damals wie auch heute zu entsprechend hohen Preisen gehandelt. Die wenigen überlieferten Exemplare legen aber oftmals bered Zeugnis von der hohen handwerklichen Kunst ihrer Hersteller ab.
In England sind hier in erster Linie die Werkstätten von Edward Scarlett (1688?-1743), Jonathan Sisson (1690-1747), Charles Orme (1688-1747), John Hallifax (1694-1750), George Graham (1673-1751), Francis Hauksbee II (1687-1773), John Bennet (fl.1743-1768), John Ellicott (1706-1772), John Cuff (1708?-1772), Georg Adams I (1704-1773), Thomas Heath (fl.1714-1773), John Bird (1709-1776), John Whitehurst I (1733-1788), zu nennen. Es scheint dabei so, als hätten die Uhrmacher ihre Barometer weitgehend selbst gefertigt, wogegen die Optiker überwiegend fertigen ließen und damit gehandelt haben.
Mitte des Jahrhunderts stieg die Nachfrage nach wissenschaftlichen Instrumenten weiter an, was dazu führte, dass viele der kleineren Werkstätten dem Boom durch Erweiterung Rechnung trugen. Es wurden daraus schon halbindustrielle Fertigungsstätten mit Arbeitsteilung der einzelnen Arbeitsgänge.
Zu den führenden Instrumentenmachern in der 2. Hälfte gehören: Watkins & Smith (fl.1764-1774), Benjamin Martin (1704-1782), Francis Watkins (1723-1784), John Troughton (fl.1752-1784), Jeremiah Sisson (fl.1747-1788), Henry Pyefinch (fl.1763-1790), George Adams II (1750-1795), Justin Vulliamy (1712-1797), James Long (fl.1769-1811), Jesse Ramsden (1731-1800), Edward Nairne (1726-1806), Josuah Springer (fl.1757-1808), James Gatty (fl.1780-1815), Peter Dolland (1730-1820), Thomas Blunt (1760?-1822), Dudley Adams (1762-1826), Edward Troughton jun. (1753-1831), der später im 19.Jh. mit Partner William Simms, als Troughton & Simms ein großer Produzent wurde.
Dabei konzentrierten sich die Werkstätten überwiegend auf die Hauptstadt London. Erst Ende des Jahrhunderts finden sich dann auch renommierte Hersteller in den kleineren Städten, wie z.B. Richard Rowland (fl.1792-1810) aus Bristol, John Russel of Falkirk (1745?-1817), Balthasar Knie (fl.1743-1817) aus Edinburgh, Joseph Finney (fl.1770-1826) aus Liverpool, John Whitehurst II (1761-1834) aus Derby u.a.
Es wurden in erster Linie Gefäßbarometer (Stickbarometer) verkauft, da die Diagonal- und Radbarometer als teuer und ungenau galten. Auch sind die Radbarometer des 18.Jh., bis etwa 1770-80, keineswegs mit den später in großer Anzahl gebauten "Banjos" zu vergleichen. Ihre Gehäuse entsprachen dem zeitgenössischen Möbel- und Uhrendesign und waren zumeist (aber nicht nur!) ganz prachtvolle Arbeiten.
Die "Banjobarometer" sind hingegen überwiegend ein Produkt des letzten Quartals des 18. Jh. und der nach England einströmenden italienischen Emigranten, die sich den Barometern annahmen und sie auch für das kleinere Portmonnaie erschwinglich machten. Später, zur Mitte des 19. Jh., wurden die Banjo-Barometer mehr und mehr zur Handelsware, die nahezu an jeder Straßenecke verfügbar wurde, worunter die Qualität zunehmend litt.
Frankreich im 18. Jahrhundert
Die wichtigsten Werkstätten zur Produktion wissenschaftlicher Instrumente waren zu Anfang diejenigen von Claude Langlois (fl.1730-1750). Sie waren zwar als nicht besonders innovativ bekannt, lieferten jedoch über die Jahre eine gleich bleibend gute Qualität an Instrumenten, in erster Linie für die Astronomie.
Claude Simeon Passemant (1702-1769) ist im Zusammenhang mit astronomischen Uhren und seinen Spiegelteleskopen in Erscheinung getreten. Er war offizieller Instrumentenmacher des Königs und seit 1746 Mitglied der Akademie. P. Cotte beschreibt in [Ref.2, p.126] ein Zweiflüssigkeitsthermometer von Passemant aus dem Jahre 1755, mit einer Länge von 4 m (!) und stellt einige Seiten weiter dessen "baromètre de mer" vor [Ref.2, p.161ff]. Zwei frühe Barometer [Ref.71, p.128] sind uns überliefert. Er fertigte aber auch Amontons-Barometer, Controleure und Thermometer, wie [Ref.218. p.40] beweist. Eine Biografie dieses renomierten Instrumentenmachers ist von Pierre Sue überliefert: "Précis historique sur la vie et les ouvrages de M. Passemant", Paris 1778. Der Betrieb wurde nach seinem Tod von seinem Schwager Ollivier weitergeführt.
Pierre Mégnié (fl.1751-1807) und Pierre, Bernard Mégnié (fl.1783-1824). Die Biografie der Mégniés ist zwiespältig. Es scheint auch zwei Personen gleichen Namens gegeben zu haben und dabei ist anfangs nie ganz klar, wer gemeint ist. Die Firma Mégnié jedenfalls wurde bekannt für ihre Waagen und Instrumente für die Astronomie und erhielt Aufträge von allerhöchsten Stellen. Bei einem solchen Auftrag mußte sie 1786 Konkurs anmelden. Mégnié der Ältere verließ daraufhin fluchtartig den Betrieb und die Mitarbeiter, unter Hinterlassung erheblicher Schulden. Er tauchte erst viele Jahre später wieder auf. Der Jüngere der beiden führte den Betrieb weiter, erhielt im Jahre 1788 von der Académie des Sciences den Titel des "Ingénieur" und wurde 1791 für seine Verdienste ausgezeichnet. Die Werkstatt fertigte auch Barometer [Ref.218, p.21,23] und [Ref.71, p.250], sowie Thermometer [Ref.218, p.39]. Middleton erwähnt einen Barometer mit zwei Röhren zur Nullpunktkorrektur [Ref.72, p.250].
Noel Jean Lerebours (1761-1840) arbeitete einige Jahre für einen Optiker namens Louvel (fl.1765-1771), bevor er sich 1780 selbstständig machte. Dies war der Ausgangspunkt für eine große Karriere, die bis weit ins 19.Jh. reicht. Er wurde zum "Ingénieur du Roi" ernannt (1789), wurde "Optiker der Marine" und des "Bureaus du Longitudes" (1800), außerdem Lieferant des Kaisers. Der Betrieb wurde nach seinem Tod von Sohn Noel-Marie-Pallmall Lerebours (1807-1873) weitergeführt, der seinerseits Marc Secretan (1804-1867), einen Professor der Mathematik aus Lausanne, zum Partner nahm. 1845 firmierten sie in Lerebours & Secretan um. Im Jahr 1855 wurde Secretan dann alleiniger Inhaber der Firma, firmierte jedoch als L&S bis in die 80er-Jahre weiter. Neben seinen bekannten Teleskopen lieferte er auch Barometer und hatte schon früh gute Verbindungen zu Lucien Vidie und seinen frühen Aneroidwerken.
Ein
weiterer Optiker, Etienne-Antoine Putois (1763-1798?), gründete
seine Werkstatt im Jahre 1786 am Quai de l'Horloge und wurde unmittelbarer Nachfolger
von Optiker Marie. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit der
Entwicklung von achromatischen Objektiven, verkaufte aber auch Barometer, wie
die nebenstehende Anzeige beweist (Abb. 4.1). Putois wurde für seine Verdienste
1791 ausgezeichnet.
Antoine Assier-Perrica(t) (1730?-1805) arbeitete bei André Bourbon (fl.1751-1794), bevor er dessen Betrieb um 1773 übernahm. Er war ein äußerst innovativer Ingenieur und Konstrukteur (1774), was ihm verschiedene Ehrungen und Auszeichnungen einbrachte. Die Qualität seiner Thermometer findet dabei immer wieder besondere Erwähnung. Ein Reisethermometer ist überliefert [Ref.71, p.204]. Außerdem trat er mit besonders eigenwilligen Konstruktionen seiner Barometergefäße an die Öffentlichkeit. C.F. Bertholet widmete ihm, "dem königl. Instrumentenmacher", aus diesem Grund das letzte Kapitel seines Buches "Mécanique appliquée aux arts, aux manufactures...", Paris 1782, während J.F. Luz im Jahre 1784 [Ref.6, p.219] ihn des Plagiats bezichtigt. Der Betrieb wurde nach seinem Tod vom Sohn weitergeführt, der die Witwe von Betali heiratete.
Von GOHIN sind eine ganze Reihe schöner Thermometer
und Barometer überliefert. Leider ist zu seinen Lebensdaten nur wenig bekannt.
Eine Zeitungsanzeige
ähnlich
wie diejenige von E.A. Putois ist uns überliefert (Abb. 4.2). Es
dürften also Zeitgenossen gewesen sein. Wie daraus ersichtlich, stellt
er sich als Konstrukteur physikalischer Instrumente aus Glas vor. Dazu gehören
Barometer, Thermometer, Aärometer, aber auch Brillen und Lupen und nicht
zuletzt die Reparatur alter Barometer. Die angeführte Adresse in der Rue
Neuve St.-Eutache, Nr. 19, dürfte der Ausgangspunkt seiner Unternehmungen
gewesen sein. Uns bekannte Barometer sind aber weiter signiert: GOHIN Père
et Fils, 24, Rue St.-Eutache und L'Ing. Gohin, opticien, 24, Rue
Neuve St.-Eutache und später, im 19.Jh., auch Gohin Fils Ingr.,
Rue Valois Nr. 6, Palais Royal.
Francois-Antoine Jecker (1765-1834) arbeitete in Paris von 1792-1825 zusammen mit seinen beiden Brüdern Gervais und Protais. Bis ins Jahr 1800 unter der Adresse, 20, rue de Marmoursets, später 1810-1842? zogen sie in die Rue de Bondi Nr.32 um. F.A. Jecker lebte einige Zeit in England (1786-92) und arbeitete bei Ramsden. Zurück in Paris eröffnete er 1792 seine eigene mech. Werkstatt. Die Qualität seiner Arbeiten fiel bald auf, sodass er im Jahre 1794 für seine Leistungen eine nationale Auszeichnung erhielt. Im Jahre 1801 beschäftigte er immerhin schon 40 Mitarbeiter zur Fertigung optischer und astronomischer Instrumente. Aber er produzierte nicht nur für die Masse, sondern auch einzelne Instrumente für gehobene Ansprüche. Recht viele seiner Barometer sind uns heute überliefert. Ab etwa 1819 öffneten sich die Jecker-Brüder mit ihrer Produktion auch dem preisbewussten Markt.
Frères Dumotiez. Louis-Joseph (geb.1757) und Pierre-Francois Dumotiez waren Brüder, traten immer gemeinsam in Erscheinung und gründeten kurz vor 1780 in der rue Jardinet in Paris, eine Werkstatt zur Herstellung physikalischer Instrumente für den Unterricht und für interessierte Amateure. Sie fertigten Waagen, Luftpumpen, Barometer, Thermometer und Hygrometer. Ihr Betrieb hatte damit großen Erfolg, erreichte in kurzer Zeit internationales Ansehen und die Zahl der Mitarbeiter wuchs ständig. Von der Académie erhielten die Brüder im Jahre 1788 den Titel des Ingénieurs verliehen und wurden während der Revolution für ihre Verdienste mit 6.000 livres ausgezeichnet. Das Unternehmen wurde ab 1815 durch den Neffen Nicolas-Constant Pixii-Dumotiez (1776-1861), in der rue Fossés-Saint-Victor weitergeführt.
Auch in Paris sind in der 2. Hälfte des 18. Jh. die Werkstätten, die Barometer, Thermometer und Hygrometer herstellten häufig mit italienisch klingenden Namen belegt. So Cappy (fl.1767-1774), der schon früh Mr. Lavoisier belieferte, dessen Labor zu einem der best ausgestatteten der Zeit gehörte. P. Cotte erwähnt im Jahre 1774 "Cappi" im Zusammenhang mit verschiedenen Barometer-Gefäßformen in [Ref.2, p.165ff, Abb.10-12]. Cappy firmierte auch für einige Zeit mit Mossy gemeinsam und beide waren sie für die außergewöhnliche Qualität ihrer Thermometer bekannt [Ref.218, p.38].
Von Mossy (fl.1780-1821) sind mehrere Instrumente im Conservatoire National des Art et Métiers (CNAM) zu sehen und auch in [Ref.218, p.17,38,39] und [Ref.71 ,p.81,127,20] abgebildet. Er wurde im Jahre 1788 zum Ingénieur du Roi ausgezeichnet.
Bei
Bettally, Betalli, aber auch Betali, scheint es sich um
eine Instrumentenmacherfamilie italienischer Herkunft zu handeln, die schon
recht früh in Paris, als später auch in London tätig war. Es
sind mehrere Geschäftskarten (Abb. 5) von Ihnen überliefert [Ref.66,
p.87]. Als Familienmitglieder sind namentlich Christopher Bettally
(fl.1787-93), der offensichtlich in London arbeitete und Joseph Betali
(1750?-1805) der die Geschäfte in Paris führte, bekannt. Seine Witwe
heiratete, wie bereits erwähnt, 1806 den Sohn von Assier-Perricat.
Überlieferte Instrumente finden sich in [Ref.66, p.104,105] sowie
in [Ref.218, p.18,19]. Ein verkürztes Amontons-Barometer von J.
Betali befindet sich in der Kollektion des Science-Museum in London [Ref.
81, p.26], ein Thermo-Barometer in unserem virt. Museum.
An Beispielen der franz. Barometermacherkunst aus dieser Epoche mangelt es nicht.
Für den Sammler sind aus der Zeit des Louis XVI, dem Übergang des
Spätbarock zum Klassizismus in Frankreich, eine wahrlich große Anzahl
prunkvoll vergoldeter Barometer, in mannigfaltigen Formen überliefert.
Leider sind sie meist unsigniert. Wir wissen jetzt warum.
In den Niederlanden spielte in der ersten Hälfte des Jahrhunderts die Werkstatt von Jan van Musschenbroek (1687-1748) in Leiden, eine prominente Rolle. Er hatte sie 1707 von seinem Vater übernommen. Aber nicht alle Instrumente die man in seinem Katalog finden konnte, stammten aus eigener Fertigung, denn er handelte auch damit. So ist es durchaus möglich, dass seine Thermometer aus der Werkstatt von Fahrenheit kamen.
Gabriel Daniel Fahrenheit (1686-1736) aus Amsterdam ist dann auch gleich an zweiter Stelle zu nennen. Er beschäftigte sich in seiner Werkstatt in den Jahren 1718-36 bekanntermaßen mit Thermometern, Barometern und Aerometern und hatte beste Kontakte zu den Gelehrten der Zeit. Im Jahre 1724 wurde er als Mitglied in die Londoner Royal Society berufen. Möglicherweise war er es auch, der um 1725 das erste Bakbarometer in seiner Werkstatt entstehen ließ. Hier arbeitete übrigens auch Hendrik Prins, ein weiterer Barometerkünstler, der nach Fahrenheits Tod (1736) die Werkstatt auf höchstem Niveau weiterführte.
Hendrik Prins (1696?-1762) aus Amsterdam hinterließ seiner Nachwelt eine Reihe fantastischer Barometer, mit kunstvoll verzierten und unvergleichlich prachtvoll gestochenen Messingskalen, die sicher zum Feinsten gehören, was die niederländische Barometermacherzunft anzubieten hatte.
Paulus Wast (1721-1784) kam als Emigrant der ersten Stunde, im Jahre 1740 in die Niederlande und ging zu Frans Primavesi in die Lehre. Ursprünglich hieß er Paoli Quasti. Später machte er sich in Amsterdam selbständig und passte seinen Namen an die niederländische Namensgebung an (um 1750). Er wurde ebenfalls ein ganz Großer seiner Zunft. Beide Söhne, Paulus und Pieter, führten den Betrieb nach seinem Tod weiter.
Zu nennen wäre noch Jan Paauw (1723?-1803) aus Leiden, der die Instrumente für Peter van Musschenbroek lieferte.
Im Verlauf des 18. Jh. lässt sich in den Niederlanden die Entwicklung des so landestypischen Bakbarometers in mehreren Stufen verfolgen. Vom einfachen, schlichten Gefäßbarometer mit Zinnskala aus den Anfangsjahren (ab 1725), über Instrumente mit mehrteiligen, kunstvoll gestalteten Skalen zur Mitte des Jahrhunderts, bis hin zum Kontra-Bakbarometer mit zusätzlichem Controlleur, ein- oder zweiteiliger, langer Zinnskala und verglaster Türe, in den 80iger Jahren, lässt sich das Design Schritt für Schritt verfolgen.
In der 2. Hälfte des 18. Jh. tauchen dann vermehrt Werkstätten mit italienischen Namen auf. Die zweite Welle der Emigranten hatte aus der Südschweiz und Norditalien kommend, auch die Niederlande erreicht. Viele der Einwanderer beschäftigten sich danach erfolgreich mit der Herstellung der Bakbarometer. Hier einige Namensbeispiele: Reballio in Rotterdam, Sala in Leiden, Primavesi, Stoppani und Peia in Amsterdam, oder Bianchi, Tarroni, Pagani, Solaro und wie sie alle heißen.
H.G. Körber sieht im Berlin des 18. Jahrhundert nicht nur die Hauptstadt des Preußischen Staates, sondern auch ein Zentrum des Handels und neben London, Paris und Augsburg auch ein Schwerpunkt der Herstellung wissenschaftlicher Instrumente. Der Grund war seiner Meinung nach, der Einfluss der Akademie der Wissenschaften, der Bedarf des königlichen Hofes, des Adels und der Armee.
Berlin wuchs im Laufe des Jahrhunderts von 50.000 auf 150.000 Einwohner. So rechnet er bei der Größe der Stadt mit einer Anzahl von etwa 20 Meistern, wovon etwa 4-6 davon überregionale Bedeutung erlangten.
Einmal
waren da die Wissenschaftler selbst, die ihre Instrumente eigenhändig oder
durch angestellte Mechaniker fertigen ließen, wie Gottfried Kirch
und Sohn, (1693-1710), Johann Elert Bode (1728-1777) und Johann Gottfried
Sulzer (1720-1776). Dann die selbstständigen Instrumentenhersteller,
die im Dienste der Akademie standen: Johann Christoph Rembold (um 1710-23),
Johann Ernst Essling (um 1781), Johann Michael Dobler, Optiker
(1663-1742), Ernst August North (um 1734) und Johann Heinrich Ring
(um 1760). Sie hatten auch die Instrumente der Akademie zu betreuen.
Die Dresdner Kunstkammer, 1560 von Kurfürst August von Sachsen (1553-1586) gegründet, beherbergte ca. 1.000 Objekte, wovon etwa 950 mathematisch-technische Instrumente waren. Diese bildeten den Grundstock für das 1728 neu gegründete "Cabinets der mathematischen und physikalischen Instrumente" (Abb. 6).
Kurfürst August verpflichtete bereits im 16.Jh. begabte süddeutsche Mechaniker zu sich und legte damit schon frühzeitig den Grundstein für den sächsischen Instrumentenbau, der überwiegend mathematische, geodätische und Instrumente für das Militär umfasste. Einer der bekanntesten Mechaniker war Christoph Trechsler (1546-1624).
Als nach 1694 Kurfürst Friedrich August I (August der Starke), die Regierungsgeschäfte übernahm, hatte Sachsen den Dreißigjährigen Krieg überwunden und es hatten sich durch die Entfaltung von Wissenschaft und Technik, günstige Bedingungen für den sächsischen Instrumentenbau herausgebildet.
Hierzu gehörten Meister wie Andreas Gärtner (1654-1727), Walther von Tschirnhaus (1656-1708) und Jacob Leupold (1674-1727). Etwas später dann, unter Friedrich August II (1733-1763), kamen Joachim Friedrich Meyer, Friedrich Ernst Rheinthaler, Johann Gottfried Zimmer (fl.1741-60) hinzu.
Unter der Regentschaft von Kurfürst Friedrich August III (1763-1827), wurde im Jahre 1777 die Sammlung des Reichsgrafen Hans Löser (1704-1763) eingegliedert, in dessen Werkstatt in Schloss Reinharz, aus der Hand von J.G. Zimmer, seine herrlichen Metallthermometer entstanden. Sie sind heute im Dresdner Mathematisch-Physikalischen Salon zu sehen, bzw. eines davon ist in [Ref.U20, p.71] sowie in [Ref.249, p.111] abgebildet.
Augsburg wird in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Es war zu jener Zeit eine wohlhabende und weltoffente Stadt mit einer großen Tradition auf dem Gebiet der Feinmechanik, Uhrmacherei und Gold- und Silberschmiedekunst. Georg Friedrich Brander (1713-1783) trat in diese Tradition um 1737 ein und erreichte mit seiner mechanischen Werkstatt europaweite Anerkennung. Neben mathematischen, physikalischen und astronomischen Instrumenten für die Observatorien in Europa, fertigte er auch meteorologische Instrumente und stattete u.a. die bayrische Akademie der Wissenschaften und ihre Beobachtungsstationen damit aus. Ab 1775 arbeitete er mit seinem Schwiegersohn Christian Caspar Höschel (gest.1820) zusammen, der nach seinem Tod den Betrieb weiterführte.
An dieser Stelle soll noch Johann Christian Breithaupt (1736-1799) Erwähnung finden, der im Jahre 1762 eine mechanische Werkstatt in Kassel gründete. Auch er fertigte meteorologischen Instrumente, wie es ein Artikel aus den Astronomischen Nachrichten 1835 ganz unzweifelhaft beweist. Seine Instrumente für die Meteorologie, Astronomie und Geodäsie waren und sind noch heute von höchster Qualität. Sicher der Grund, warum die Firma Breithaupt in Kassel noch heute, in siebter Generation, besteht.
Schlußwort
Geht man in Deutschland auf die Suche nach frühen Quecksilberbarometern, so sieht es damit, im Vergleich zu den bisher vorgestellten Ländern, äußerst bescheiden aus. Es mag sein, dass die meteorologischen Instrumente in den deutschen Museen nur eine untergeordnete Rolle spielen und deshalb noch so manches Exemplar in den Depots dahin schlummert.
Anders lässt es sich jedenfalls nicht erklären, dass im Deutschen Museum in München, das den Anspruch erhebt, das größte Technikmuseum der Nation zu sein, seit den 70er-Jahren eine viel zu kleine Vitrine mit gerade einmal fünf Quecksilberbarometern den "Freunden alter Wetterinstrumente" genügen muss. Noch dazu in einem Bundesland, das von sich behauptet, es könne einiges an "meteorologischer Tradition" vorweisen.
Dieses Missverhältnis in Deutschland ist sicher auch den drei Autoren aufgefallen, die sich in den letzten Jahrzehnten bei uns mit dem Thema "meteorologische Instrumente" befasst haben. H.G. Körber musste sich mit 4 Instrumenten aus dem Dresdner Salon begnügen [Ref.249, p.111,122,123]. Habenicht und Holland waren im Dt. Museum in München und in verschiedenen Landesmuseen. Die Ausbeute hier, insgesamt 8 deutsche Barometer aus der Zeit vor 1800 [Ref.80, p.33,34,40,43,44, 45,48,130]. Wahrlich bescheiden!
Es lässt sich deshalb abschließend feststellen, dass sich die deutschen Instrumentenmacher in den ersten einhundertfünfzig Jahren nach Torricelli, zwar mit vielem, jedoch wohl kaum mit den Barometern befasst haben und sich deshalb hier zulande eine "Barometerkultur" erst garnicht entwickeln konnte.
Deshalb müssen sich die Sammler deutscher Quecksilberbarometer, etwas überspitzt gesagt, mit den "einfachen Brettchen mit dem Glasrohr davor" begnügen, die das nachfolgende 19. Jahrhundert für sie bereit hält.
Quellenverzeichnis:
An Quellen wurden benutzt: Ref. 2, 66, 67, 68,
71, 80, 97, 218, 249, 258
sowie folgende Arbeiten berücksichtigt:
| U 20 | div. A. | Kostbare Instrumente und Uhren aus dem Math. Salon Dresden | 1994 |
| Me618 | van der Veen J.L.H.J.M. | Nederlandse barometers 1690-1850 | 1978 |
| Me1213 | Fontijn Marco | Hendrik Prins, de Koning van de Nederlands barometerkunst | 2003 |
| Me1214 | Fontijn Marco | Paulus Wast, de vroegst bekende, gedateerde Bakbarometer | 2003 |
| Me1242 | Körber H.G. | Die Berliner Instrumentenmacher im 18.Jh. | 1971 |
© Gerhard Stöhr 2004
korr. 2009.02
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