Barometrie - Einführung

Quecksilberbarometer - von A nach B transportieren...
Eine Vorstellung diverser Möglichkeiten, Stand August 2009 für Deutschland.

Brüssel hat mit seiner Abstimmung am 07.07.2007 erstmals ein natürlich vorkommendes Element verboten. Es handelt sich um Quecksilber = Hg. Siehe dazu unsere umfangreiche Dokumentation unter "Quecksilber-Information" bzw. "Quick-NEWS". Auch wenn das Gesetz eine Ausnahmeregelung für unsere alten Messinstrumente, wie Barometer, Thermometer u.ä. vorsieht, indem es die über 50 Jahre alten Instrumente zu den "Antiquitäten" zählt, die weiterhin gehandelt, gesammelt, gewartet und restauriert werden dürfen, so bleibt uns Sammlern die Verpflichtung für den verantwortungsvollen Umgang mit dem Schwermetall nicht erspart. Es wird die Zukunft zeigen, ob die gefundene Ausnahmeregelung so bleibt, oder ob militante Organisationen wie z.B. "Zero Mercury" weiter an Einfluss gewinnen. Wollen wir weiterhin unserer interessanten Sammelleidenschaft nachgehen, dann ist jeder Sammler ernsthaft dazu aufgerufen sich seiner Verantwortung bewusst zu sein!

Gelegentlich kommt es vor, dass z.B. nach einer Auktion, Quecksilber als Inhaltsstoff eines Barometers, von A nach B verbracht werden muss. Hierzu bieten sich folgende 4 Möglichkeiten an:

      1. Die persönliche Abholung
      2. Das Entfernen des Quecksilbers und der Versand mittels Paketdienst
      3. Das Beauftragen einer Stückgut-Spedition
      4. Die Luftfracht

zu 1. Die persönliche Abholung erfolgt immer auf Risiko des Abholers. Wenn Quecksilber ausläuft und Sie damit ihr Auto kontaminieren, so ist das ihr Pech. Quecksilber hat die Eigenschaft in den schmalsten Ritzen zu verschwinden und schon bei relativ niedrigen Temperaturen zu verdunsten.
In den Sommermonaten erreicht der Fahrzeuginnenraum leicht Temperaturen über 50 Grad Celsius. Da kann ich mir vorstellen, dass Sie trotz aller Skepsis der EU-Verordnung gegenüber, dieses Luft/Hg-Konzentrat dann doch nicht ständig einatmen wollen. Hinzu kommt, dass Hg die meisten Metalle angreift und auflöst. Also, das zu transportierende Instrument gehört für alle Fälle in einen absolut dichten Plastikbeutel und als Umverpackung in eine Plastik-Box. Metall-Container sind dazu ungeeignet!

Falls ihr Fahrzeug geliehen oder gemietet ist kommt noch hinzu, dass Sie ein eventuelles Missgeschick natürlich nicht verschweigen dürfen, denn Sie wollen ja auch kein Fahrzeug leihen, das mit Quecksilber kontaminiert ist.

zu 2. Der quecksilberfreie Versand. Das ist eigentlich die sicherste Methode, welche die Freunde alter Wetterinstrumente auch weiterhin favorisieren. Sie erfordert allerdings Kenntnisse darüber, wie das Hg aus dem Barometer zu entfernen ist (siehe unsere NEWS vom 23.11.2002). Der Aufwand ist gering, denn alles was Sie dazu brauchen, ist ein etwas dickerer Perlonfaden, eine Plastikschale und ein verschraubbares Medizinfläschchen aus Glas oder Plastik.

Nachteil: Der Empfänger muss die Kapillare wieder neu befüllen bzw. befüllen lassen. Das ist schwieriger als das Entleeren. Hier jemanden zu finden der dies noch kann, wird in der Zukunft immer schwerer werden.

Probleme machen die wenigen, meist sehr alten Barometer, mit einem durch Kork oder Lederboden luftdurchlässig verschlossenem Gefäß und natürlich alle Mehrflüssigkeits-Barometer (Kontrabarometer). Hier ist eine persönliche Abholung oder das Einschalten eines Kurierdienstes unumgänglich!

zu 3. Stückgut-Speditionen transportieren Waren per LKW ganz bequem von Haus zu Haus. Dabei gilt neben den eigenen "Allgemeinen Geschäftsbedingungen", übergeordnet die ADR in der aktuellsten Fassung. Darin ist der Umgang mit Gefahrgut auf Deutschlands Straßen geregelt. Zu Quecksilber mit der UN-Nr. 2809 ist zu erfahren, dass es in die Gefahrgutklasse 8 (ätzend) eingeordnet wurde und die Sonderbestimmung ADR599 zu beachten ist. Diese sagt aus: Erzeugnisse und Instrumente, die unter 1kg Quecksilber enthalten, unterliegen nicht den Vorschriften der ADR! Aha prima - es gelten in diesem Fall also alleine die AGB's des Frachtunternehmers. Jede Spedition kann also ihren Barometer transportieren, ist dazu aber nicht verpflichtet. Die Entscheidung liegt alleine beim Unternehmer. Also bitte vorher höflich anfragen und auf die geringe Menge Quecksilber und perfekte Verpackung hinweisen. Erst ab einer Menge von 1kg Quecksilber benötigt er dazu eine Gefahrgutlizenz!

Sie sollten deshalb wissen: 1 kg Quecksilber entspricht einem Volumen von 73,5 ml. Ein Barometer enthält im Höchstfall 10-15ml, ein Thermometer viel weniger, nur maximal 1,2ml. Das wiederum bedeutet, - in unseren Instrumenten ist zwar Quecksilber (Gefahrgut) drin, betrachtet man jedoch die Menge, dann handelt es sich nur um wenige Milliliter (ml)! Erst beim Versand von etwa vier Barometern gleichzeitig, treten die ADR-Bestimmungen in Kraft!

zu 4. Luftfracht ist die teuerste Art des Transports. Für Quecksilberbarometer nur für den Frachtverkehr nach Übersee und da nur im quecksilberfreien Zustand eine Alternative. Es gelten sonst die Dangerous Goods Regulations der IATA. Hier wird es richtig kompliziert und es ist unbedingt ratsam einen professionellen Gefahrgut-Experten einzuschalten!

 

Die Verpackung

Ein ganz wichtiger Aspekt fällt der Verpackung zu. Ich habe schon erwähnt, dass absolut sichergestellt werden muss, dass nirgendwo Quecksilber austritt. Dies gilt für den privaten Transport genauso, wie für die Übergabe an einen gewerblichen Transporteur. Denn die Verantwortung für die gewissenhafte Verpackung trägt der Absender. Die AGB's schließen ein Haftung dafür ausdrücklich aus!

Das bedeutet für uns im Klartext: Wird durch eine Sendung ein Frachtraum oder andere Frachtstücke kontaminiert oder beschädigt, erhalten Sie die Rechnung für die Säuberungsmaßnahmen. Und das kann richtig teuer werden.

Deshalb habe ich mich im Internet schon einmal nach geeigneten Verpackungsmöglichkeiten umgesehen und bin speziell für unsere Hg-Barometer auf 2 Varianten gestoßen.

Wohlgemerkt, - in erster Linie für den Fall gedacht, wo ein quecksilberfreier Versand aus besonderen Gründen nicht sinnvoll ist. So z.B. nach erfolgter Restauration, um das Instrument seinem Besitzer in funktionsfähigen Zustand anzuliefern, oder im Verkehr vom Antiquitäten-Händler zu seinem Kunden. Man könnte sich mit den Koffern sogar eine Art Mehrwege-Pfandsystem vorstellen.

Aber auch für den Sammler der öfters mal mit seinen Barometern auf Reisen geht, ist Variante 1 eine sehr gute Alternative bei der die Instrumente optimal geschützt sind
! Selbst versicherungstechnisch dürfte dieses Transportsystem keine Wünsche offen lassen.

Variante 1: Gut geeignet für den Einzeltransport, wären meiner Ansicht nach, wasserdichte Waffenkoffer (Weapons Cases) aus Hartkunststoff, wie sie bei den Schützen und der Armee Verwendung finden. Es gibt sie in schwarz und tarnfarben bis zu einen Innenmaß von 128x 34x 13cm, mit oder ohne Schaumstofffüllung (z.B. Pelican 1720 bzw. 1750 Long case). Da hinein dürften die meisten Barometer passen ( auch Bakbarometer und Radbarometer bis zu 10"- Skalen ) und wo kein Wasser eindringen kann, sollte im Ernstfall auch kein Quecksilber auslaufen. http://www.pelican.com/cases_detail.php?Case=1750

Variante 2: Für Versender im größeren Stil hält die Industrie chemikaliendichte Gefahrgutkisten aus Holz im Angebot. http://www.ottenbacher.de/produkte-gefahrgut.html
Damit sind Sie dann auf jeden Fall auf der sicheren Seite!

Bleibt zum Schluss noch zu erwähnen, dass ich diese allg. Informationen zwar gründlich recherchiert habe, aber daraus unter keinen Umständen eine rechtliche Verbindlichkeit abgeleitet werden kann. Die Bestimmungen können sich auch jederzeit ändern. Die FaW, meine Person und Herr Schmal schließen daher jegliche Haftung ausdrücklich aus!

Gerhard Stöhr
mit Unterstützung von Herrn Kurt Schmal,
Niederlassungsleiter der Firma IJS Global Deutschland in Biberach,
einem erfahrenen Gefahrgut-Spezialisten.

 


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