Barometrie - Einführung

EU will 2020 Quecksilber endgültig "verbannen"
- eine Betrachtung, die zum Nachdenken anregen soll
Gerhard Stöhr 2005.02

Sehr aufmerksam habe ich einen Bericht in der FAZ vom 01.02.2005, über eine Verlautbarung des Europäischen Parlaments gelesen, dass die zuständige Kommission, Quecksilber ab 2020 endgültig "verbannen" möchte. Wir hatten uns schon 2003 intensiv mit diesem Thema beschafft. Trotzdem hier nochmals in der Zusammenfassung einige Gedanken dazu, zum Teil aus einem Blickwinkel, der bisher vielleicht noch etwas zu kurz gekommen ist.

Quecksilber = Hg ist Element u. Edelmetall zugleich, das in der Erdkruste als Zinnober in gediegener, fast reiner Form vorkommt. Dabei ist es als einziges Metall bei Zimmertemperatur flüssig, erstarrt bei - 39 0C, siedet und verdampft erst bei 357 0C. Es ist ohne Frage, insbesonderen in dampfförmigem Zustand, toxisch.

Einige Eigenschaften sind es aber, die es einmalig machen. Dazu gehört in erster Linie die hohe Dichte von 13,55g/cm3. Als Laie ist man immer wieder verblüfft wie schwer es doch ist, wenn man nur ein kleines Fläschchen davon vom Tisch aufnehmen will. Das ist aber genau der Grund, warum es zur Messung des Luftdrucks so unersetzlich ist. Wollte man das Quecksilber durch eine andere Flüssigkeit, z.B. durch Wasser ersetzen, so müsste das Barometerrohr von üblicherweise rund 0,76m Länge, um 13,55 mal länger, also 10,3m lang sein.

Dabei ist Quecksilber schon seit der Schöpfung in unserer Erdkruste eingelagert und damit auch bereits seit Millionen von Jahren in unserer Umwelt präsent. Es ist also nicht erst durch unsere Zivilisation da hinein gekommen. Deshalb wird man es sicherlich auch kaum "verbannen" können. Das wäre ja sonst etwa so, als wollte man Erdöl, Luft und Wasser verbannen. Wir werden also wohl, wie schon die Generationen vor uns, auch in der Zukunft damit leben müssen.

Was man aber tun kann ist, das Bewusstsein für die Problematik zu schärfen, den Umgang und die Lagerung vernünftig zu reglementieren und den Verbrauch auf das unbedingt notwendige Maß einzuschränken. Ich meine aber, dass auch in dieser Richtung in den letzten Jahren bereits einiges getan wurde. Dabei sollte jegliche Hysterie fehl am Platze sein!

Ein Beitrag zum besseren Verständnis der Situation, dürfte mein Artikel aus dem Jahre 2003 sein, "Geht von einem Quecksilberbarometer, ..... eine gesundheitliche Gefahr aus?". Er erläutert u.a. anschaulich die Verhältnisse im 18. und 19. Jahrhundert, die heute manchmal noch dafür verantwortlich sind, dass eine sachliche Diskussion nicht möglich ist. Er kann auf unserer Website eingesehen werden.

Betrachtet man die Zustände damals und heute, so sind sie überhaupt nicht mehr miteinander vergleichbar. In der Medizin ist Quecksilber passé. Der industrielle Verbrauch ist stark rückläufig, mit weiter abnehmender Tendenz. Kein Produzent reißt sich mehr um die Verwendung von Quecksilber, wenn es gleich gut auch mit einem Ersatzstoff geht. Der private Bedarf ist sowieso nahezu "Null", nachdem für die in jedem Haushalt gebräuchlichen Fieberthermometer, der Ersatzstoff "Galinstan" bzw. die Elektronik einspringt. Neue Flüssigkeitsthermometer werden quecksilberfrei, mit Alkoholfüllung gefertigt.

Was bleibt denn dann noch übrig? Es ist u.a. eine verhältnismäßig kleine Gruppe von "Kulturgütern", die uns von unseren Vorfahren überliefert wurde und für die sich die "Freunde alter Wetterinstrumente" verantwortlich fühlen. Es sind dies Quecksilberbarometer, Quecksilberthermometer und ähnliche Instrumente, die in ihrem Ursprung auf die Wissenschaft des 17.Jh. zurückgehen. Von Galileo Galilei, Torricelli u.a. erfunden, wurden sie in den darauf folgenden 350 Jahren von klugen Köpfen perfektioniert. Heute findet man sie in Museen, Antiquitätengeschäften, weltweit bei Sammlern und Liebhabern und noch vereinzelt in wenigen Haushalten.

Unser Webauftritt: http://www.freunde-alter-wetter-instrumente.de besteht seit 2001 und findet seither von den Sammlern weltweit Beachtung. Wir haben darin von Anfang an der Quecksilberproblematik ein breites Forum gegeben. Hier wird nicht überhitzt reagiert, sondern dem Thema angemessen, fachlich und solide informiert. Dabei ist es bewiesen, dass das "Quecksilber in unseren Instrumenten" für die Umwelt keinerlei Gefahr darstellt. Siehe dazu unsere Raumluftmessungen!

Was nun das Quecksilber in den Weltmeeren und die Belastung der Fische anbelangt, so lese ich hierzu in einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1996 [Ref.Me1144], dass über den gesamten Globus verbreitet, unsere Ozeane geschätzt etwa 100 Milliarden Tonnen (!) Quecksilber enthalten. Kein Mensch käme auf die Idee, diese quecksilberfrei zu machen. Mal ganz abgesehen davon, wo wir das gewonnene Hg überhaupt lagern wollten. Zu diesen 100 Milliarden Tonnen, steuern die auf der Welt aktiven Vulkane jedes Jahr nochmals 150.000 t hinzu. Ein Geschehen worauf wir keinerlei Einfluss haben. Es wird daher wohl nichts anderes übrig bleiben, als die Fanggebiete mit hoher Belastung zu meiden und unseren Appetit auf Fisch einzuschränken.

Bleiben noch die von uns Menschen ursächlich verursachten Hg-Emissionen in Höhe von etwa 20.000 Jahrestonnen, wovon der größte Teil durch die Verbrennung von Kohle und Öl entsteht. Die gesamte Welt-Jahresneuproduktion belief sich 1996 dagegen "nur" noch auf 3.500 Tonnen. Heute sind es noch weniger. Setzt man diese nahezu unvermeidbaren einhundertmilliardeneinhundertsiebzigtausend Tonnen, mit den 23.500 Tonnen die es zu reduzieren gilt, ins Verhältnis, so fragt man sich wirklich, ob hier nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird.

Bleibt zu hoffen, dass in den Brüsseler Kommissionen einige Vertreter mit "gesundem Menschenverstand" sitzen, die sich von den Panikmachern nicht allzu sehr beeindrucken lassen. Es muss bei den Verhandlungen eine "Bestandsklausel für Kulturgüter", ohne überzogene Auflagen gefunden werden, die es ermöglicht, dass unsere historischen Instrumente auch weiterhin in der Europäischen Union ausgestellt, gehandelt, erhalten und repariert werden können, damit eines Tages die heutige Generation dieses Erbe funktionsfähig an die nächste übergeben kann. Eine solche Auflage könnte z.B. sein, dass alle Barometer wo dies technisch möglich ist und das sind sicher 80 Prozent, mit einer "Quecksilberfalle", ausgestattet werden müssen.

Wenn es nun bei subjektiver Betrachtung, offensichtlich wenig sinnvoll erscheint, was da in "Europas Hauptstadt" ausgebrütet wird, so sei mir eine andere Frage erlaubt: "Wer würde denn von solch einem Gesetz in erster Linie "profitieren"?

Quelle: Ref.Me1144 Lucien F. Frueb - Die chemischen Elemente - Sttgt 1996


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